New Electric Ride: Balloon Age – Album Review

New Electric Ride: Balloon Age – Album Review

Flippiger Psychedelic-Cosmic-Rock aus dem UK

von Gérard Otremba

England mischt zurzeit eindeutig den Rock-Pop auf. Während sich The Strypes am bluesorientierten Rock’n’Roll der Frühsechziger orientieren, vergnügen sich Temples mit dem Psychedelic-Pop-Rock aus der Mitte der goldenen Pop-Rockdekade und verzaubern den Hörer durch beatleeske Melodien und byrdshafte Harmonien. In einen ähnlichen Zaubertrank sind die vier Mitglieder der aus Sunderland stammenden und in London beheimateten Band New Electric Ride gefallen. Mit Balloon Age veröffentlicht die Formation ihr Debütalbum und lädt zu ihrer Version der Magical Mystery Tour ein. Denn frei nach der musikalischen Beatles-Vorlage suhlen sich Sänger und Gitarrist Jack Briggs, Schlagzeuger Craig Oxbury, Bassist Adam Cole sowie Gitarrist und Keyboarder Paul Nelson ausgelassen im psychedelischen Mantra des ausgehenden Beatles-Jahrzehnts.

Nach einer kurzen Streicherouvertüre geht es mit „Here Comes The Bloom“ direkt in die bunte Welt von New Electric Ride. Verhallte Harmoniegesänge, psychedelische Soundeffekte à la Pink Floyd, ein melodisch-rhythmischer Meltingpot aus Beatles und The Kinks. Willkommen im drogengeschwängerten London des Jahres 1967. Beim getriebenen „Marqius De Sade“ stoßen Pink Floyd-Effekte auf eine wuchernde Deep Purple-Orgel und Beach Boys-Gesänge auf obskure Captain Beefheart-Rhythmuswechsel. Der Progressive-Rock hält Einzug ins Album, wird in „Bye Bye (Botton Rouge)“ aber sofort durch Briggs‘ sehnsüchtigen Gesang und ein selbstvergessenes Keyboardspiel abgelöst. Und geht mehr Beatles-Reverenz als der Titel „A Submarine Song“? So lustig klingt dann dieses Stück auch. Mit fiepender Orgel, dramatisierenden Streichern, Sitar-Klängen und verschwommenen Leadvocals erhebt sich „Bring What You Expect To Get“ zu einem gewaltigen Psychedelic-Cosmic-Sound der Extraklasse.

New Electric Ride halten die Spannung mit dem knappen Interlude von „I Feel So Invited“ weiterhin aufrecht, präsentieren anschließend bei „In Chains“ originellen Hippie-Art-Rock, frönen in „Lovers“ dem Blues-Rock und geben sich mit Flöten folkig und naturalistisch in „I Can’t Help But Smile“. „The Beyond“ lebt von seinen ständigen Rhythmuswechsel und erinnert wieder an Ray Davies und seine Kinks und mit dem abschließenden, von einer schimmernden Orgel zusammengehaltenen „From Under Me“ schicken uns New Electric Ride in weit entfernte kosmische Sphären. Balloon Age von New Electric Ride ist eine flippige, hippieesk-dandyhafte Platte geworden, die viel Spaß bereitet und in jedem Song neue Aspekte des Psychedelic-Pop-Rock offenbart.

„Balloon Age“ von New Electric Ride erschient am 25.02.2014 bei Beyond Beyond Is Beyond Records.

   

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