Ha Ha Tonka live in Hamburg – Konzertreview

Ha Ha Tonka live in Hamburg – Konzertreview

Indie-Americana-Rock’n’Roll aus Missouri

von Gérard Otremba

Da hat sich die amerikanische Band Ha Ha Tonka den bis dato wärmsten Tag des Jahres in Hamburg ausgesucht, um dann ausgerechnet auch noch in der gemütlichen, aber kleinen Astra-Stube zu spielen. Das Quartett aus Missouri mag die Temperaturen aus heimatlichen Gefilden kennen, im geschlossenen Raum mit Zigarettenqualm an der Sternbrücke mussten Ha Ha Tonka auch nach 22 Uhr noch ein paar Grad mehr einstecken als bei den im immer noch sehr sommerlich warmen Außentemperaturen. Nachdem der in Hamburg lebende Songwriter Joe Astray in Chuck Ragan-Manier mit seinen Folk-Songs mit zeitweiliger Punk-Attitüde zu überzeugen wusste, beginnen Ha Ha Tonka ihr Set mit “Dead To The World“, dem Eröffnungsstück ihres neuen Albums Lessons. Sänger und Gitarrist Brian Roberts, Gitarrist Brett Anderson, Bassist Luke Long sowie Schlagzeuger Lennon Bone entführen die Astra-Stuben-Gäste in den nächsten gut 75 Minuten in ihre Welt des Indie-Rock mit Americana-Einschlag. Und man darf sich schon wundern, wieso Ha Ha Tonka nicht wesentlich bekannter sind, denn ein Song wie „Usual Suspects“ vom 2011 bei Bloodshot Records erschienenen Album Death Of A Decade hat absolutes Hitpotential und hätte eigentlich wochenlang auf allen Radiosendern rauf und runter gespielt werden müssen. Ein markanter Mandolinen-Gitarren-Beginn, eine catchy Melodie, ein euphorischer Chorus, das ist Indie-Rock mit einer gehörigen Portion Pop. Dieser Song nimmt einen sofort mit und hat beträchtliche Ohrwurmqualitäten.

Ha Ha Tonka zwischen Tom Petty, REM, Steve Wynn und Neil Young

Ha Ha Tonka, die sich nach dem Ha Ha Tonka State Park in Camdenton Missouri benannt haben, spielen ihren vermeintlichen Hit ganz zum Schluss vor den Zugaben. Davor gibt es einen Querschnitt aus ihren vier veröffentlichten Longplayern zu bewundern, der vom klassischen Americana-Sound der Marke Tom Petty („Colorful Kids“) über den an die frühen R.E.M. erinnernden Indie-Rock’n’Roll („Made Example Of“) und wuchtigen Desert-Stoner-Rock („St. Nick On The Fourth In A Fervor“) bis hin zum Indie-Post-Punk-Country-Rock („Caney Mountain“) und melodieverliebten Folk-Rock („Lonely Fortunes“, „The Past Has Arms“) reicht. In „Lessons“, Titelsong des aktuellen Albums und erste Zugabe beim Konzert in der Astra-Stube, sind wunderbare Spurenelemente von Chris Cacavas, Steve Wynn und Neil Young zu entdecken. Dass anschließend „Learning To Fly“, bei dem Bassist Luke Long sich an dem vor ihm aufgebauten Plattenspieler als DJ versucht und für diverse Lacher sorgt, von Tom Petty gecovert wird, verwundert nicht. Mit dem energetischen Ram Jam-Klassiker „Black Betty“ verabschieden Ha Ha Tonka die Gäste in die frische Hamburger Luft, die um 23.30 Uhr immer noch gefühlt 30 Grad beträgt. Doch egal bei welchen Temperaturen auch immer, zum nächsten Ha Ha Tonka-Gig in Hamburg machen wir uns wieder gerne auf den Weg.

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