Thisell: I – Album Review

Thisell: I – Album Review

Berührende Schwermut aus Schweden

von Gérard Otremba

Unlängst an einem Freitagabend, an einem der letzten Hasenschaukel-Abende vor der Sommerpause, war Peter Thisell in der urigen Bar in Reeperbahnnähe zu Gast. Der schwedische Sänger und Gitarrist spielte mit der Violinistin Karin Wiberg wunderschöne, sehr melancholische und schwermütige Songs, die aus tiefstem Herzen erklangen. Auf der dazugehörigen Platte „I“ versammelt Peter Thisell einige Musiker mehr für die Ausarbeitung seiner Lieder, die melancholische Stimmung beherrscht jedoch auch das Album. Mit Piano, Bass, Gitarren, Violine, Akkordeon und gelegentlichem Schlagzeugeinsatz, alle Instrumente den Kompositionen angemessen dezent in Szene gesetzt, begleiten Torbjörn Arvidsson, Per-Ola Eriksson, Martin Hjort, Björn Kleinhenz, Petter Nilsson, David Odlöw, Jonathan Larsson und Karin Wiberg Peter Thisell auf dessen herzergreifenden musikalischen Reise. In „A Town Of Windows“ fängt zusätzlich noch ein Harmonium die wehmütige Folk-Atmosphäre und Peter Thisells verwunschene Stimme auf.

„Bad Time“ erhält einen countryesken Americana-Twang, während „Could You“ durch die harmonischen Backing Vocals und das schaurige Violinenspiel Wibergs an Konturen gewinnt. In „Into Hidden“ schmachten sich Violine und Akkordeon an und mit „Lay Here“ gelingt dem Kollektiv das endgültige Meisterstück auf diesem an schönen Songs nicht gerade armen Album. Ganz in der Tradition eines Gram Parsons oder Ryan Adams barmt sich Peter Thisell durch seinen sehnsuchtsvollen Text, ein feierliches und doch fragiles Pathos entfaltet sich, ein Song zum Dahinschmelzen und Mitleiden. Piano und Akkordeon verbreiten bei „My New Best Friends“ eine zurückhaltende Pariser Schwermutsnote, die in „Over Years, Over Time“ wieder vom Violinenspiel Wibergs ausgeht und eine dunkle, nebulöse Seite Thisells offenbart. Das abschließende „Towards The Warmth Of Life“ manifestiert in dramatischen Zügen die erhabene Melancholie, die den Songs dieses Albums inne wohnt. Es sind elegische, traurige, aber höchst emotionale, sehr bewegende und berührende Songs.

 Thisell: „I“ ist am 28.03.2014 bei Continental Song City erschienen.


  

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