Fanfarlo: Let’s Go Extinct – Album Review

Fanfarlo beerben mit Let’s Go Extinct Prefab Sprout und komponieren grenzenlosen Pop

von Gérard Otremba

Als 2009 das Debütalbum Reservoir erschien, wurde Fanfarlo nicht ganz zu Unrecht als die kleine Geschwister-Band im Geiste von Mumford & Sons gefeiert. Der Indie-Folk-Rock der englischen Formation um den aus Schweden stammenden Sänger Simon Balthazar überzeugte mit traumwandlerisch eingängigen Melodien, die durch den Einsatz von Trompete, Violine, Klarinette, Saxophon und auch mal einer Mandoline an Konturenschärfe gewannen. Ein gar entzückendes Debüt. Auf dem zweiten Longplayer Rooms Filled With Life rückten Keyboardelemente deutlich in der Vordergrund, was den Songs mitunter eine distanzierte Kühle gab, als ob die Schneekönigin eine Eisschicht über einige Kompositionen gezogen hätte. Obwohl die Keyboards auf Let’s Go Extinct nach wie vor eine dominierende Rolle spielen, ist die Wärme in den Liedern von Fanfarlo zurückgekehrt.

Beim Hören von Let’s Go Extinct wird klar, Fanfarlo bewerben sich um die legitime Nachfolge von Prefab Sprout. Deren Mastermind Paddy McAloon hat zwar letztes Jahr mit dem Album Crimson/Red nochmal gezeigt, zu welchen Höhenflügen ein Gandalf der Popmusik fähig ist, doch Fanfarlo müssen sich mit ihrer grenzenlosen Melodieseligkeit auf Let‘s Go Extinct vor großen Namen nicht verstecken. Simon Balthazar hat mit seinen Bandmitgliedern Cathy Lucas (Violine, Keyboard), Leon Beckenham (Trompete, Keyboard), Justin Finch am Bass und Drummer Amos Memon (mittlerweile durch Valentina Magaletti ersetzt) ein überragendes Pop-Album aufgenommen, das mit dem über sechsminütigen „Life In The Sky“ beginnt. Die Keyboards schwelgen in luftigen Höhen, die fanfarenartige Trompete bringt das nötige Pathos mit, die himmlischen Harmoniegesänge zwischen Balthazar und Lucas, die sich wie ein roter Faden durch das Album ziehen, verzücken aufs Äußerste, der Himmel ist das Ziel und das erreichen Fanfarlo mit diesem furiosen, kosmischen Auftakt mühelos. Es folgt eine Pop-Perle auf die nächste.

Fanfarlo zwischen ABBA und Indie-Pop

Der harmonische Gitarren-Pop von „Cell Song“, bei dem die Trompete im Hintergrund glänzt, das pittoresk beginnende, mit Violinen untermalte, an die Fleet Foxes und Midlake erinnernde „Myth Of Myself“ schwingt sich zu bombastischen Pop auf und mit dem unwiderstehlichen Drums-Percussion-Keyboard-Groove von „A Distance“ geht es sofort auf die Tanzfläche, dem schönsten „Aaahhh“-Chorus seit ABBA inklusive. Da kann Simon Balthazar seine schwedische Herkunft so gar nicht leugnen. Doch auch der Indie-Pop-Rock der kanadischen Formation Stars dient hier als Referenz. Bei „We’re The Future“ mischt sich in Balthazars Stimme eine zauberhafte Melancholie und „Landlocked“ ist ein gefundenes Fressen für jeden Indie-Disco-DJ.

Das verträumte „Painting With Life“ erfährt nach drei Minuten eine dramatische Wendung, bevor mit „The Grey And Gold“ die Sehnsucht in Balthazars Melancholie Einzug hält, großer Pop zwischen eben Prefab Sprout und Belle & Sebastian. „The Beginning And The End“ erweist sich als geradezu ernsthaftes Kleinod, anschließend erfährt Let’s Go Extinct mit dem Titelsong einen romantischen, erhabenen, majestätischen Abgang von traumhafter Schönheit, mit den für dieses Album so typischen Ingredienzen, wie den himmlisch-melancholisch berührenden Harmoniegesängen, dem sanftem Gitarrenpop, den zart vibrierenden Keyboardsounds, dem sehnsüchtigen Violinenspiel. Einfach traumhaft. Mit Let’s Go Extinct haben Fanfarlo ein deutliches Signal für die Zukunft des Pop gesetzt. Ein Wunderwerk grenzenloser Popmelodien.

Let’s Go Extinct“ von Fanfarlo ist am 14. Februar bei New World Records / Rough Trade erschienen.

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