The Orwells: Disgraceland – Album Review

The Orwells: Disgraceland – Album Review

Ein sensationell gutes Rock’n’Roll-Album

Es ist wieder mächtig was los im Rock’n’Roll. Junge Bands und Musiker spielen sich in der Vordergrund und erobern die popmusikalischen Herzen. War es letztes Jahr ein Jake Bugg, der gleich mit zwei Alben verzückte, sowie die blutjunge Formation The Strypes, die mit ihrem bluesinfizierten Rock’n’Roll für Aufsehen sorgte, so erschien im Februar dieses Jahres das psychedelische Meisterwerk Sun Structures von Temples. Und nun sind The Orwells mit einem furiosen Debütalbum am Start. Die Songs auf Disgraceland klingen so, als ob The Libertines, The Strokes, die Arctic Monkeys, The Vaccines, Franz Ferdinand und Iggy Pop sich für ein ultimatives gemeinsames Album vereinigt hätten. Die aus Illinois stammende Band spielt einen energetischen, urigen, ausgelassenen, explosiven, flippigen, gleichzeitig legeren und coolen Rock’n’Roll, der alles mitbringt, um groß durchzustarten.

The Orwells und der Indie-Rock

Drummer Henry Brinner, seinen Zwillingsbruder Grant am Bass sowie die Gitarristen Matt O’Keefe und Dominic Corso peitschen den Eröffnungssong „Southern Comfort“ in die nächste Indie-Rock-Disco, welch ansteckende, mitreißende und doch so melodiöse Gitarrenläufe, man fühlt sich sofort 20 bis 30 Jahre jünger. Sänger Mario Cuomo singt und schreit über Mädchen, Alkohol und Gras und kommt zu der Erkenntnis: „I’m not that old but I’m getting pretty wise“. Bei kaum 20 Lenzen darf sich Cuomo mit der Weisheit ruhig etwas Zeit lassen. „The Righteous One“ gerät noch gewaltiger, hier bedient sich das Quintett beim Grunge von Nirvana, opulent. „Dirty Sheets“ ist abgefuckter Garage-Rock’n’Roll mit der „leck mich am Arsch“-Attitüde und im „Bathroom Tile Blues“ finden The Orwells den Pfad der Pop-Erleuchtung, das ist schönster Pulp-Pop in der US-Indie-Version, also mit dem Schuss Strokes gemischt, grandios. Die Gitarrenwände bei „Gotta Get Down“ bringen Blues-Rock und Pop zusammen und das hitzige, wilde „Let It Burn“ hat einen unverschämt genialen Chorus, die besten Zeiten von Pearl Jam sind hier in Reichweite.

„Who Needs You“ als The Orwells-Erkennungshymne

Als ob das alles nicht schon großartig genug wäre, holen The Orwells mit „Who Needs You“ dann zum großen Schlag aus. Cuomo schreit sich bei dieser Hymne auf die Jugend, die Freude und das Leben die Seele aus dem Leib, die Bandkollegen in Post-Punk-Rock-Laune, die endgültige Kampfansage an das Establishment. Dramatisch und pathetisch dann „Norman“, in „Always N Forever“ treffen Franz Ferdinand auf The Kinks und die Teenager-Drama-Hymne „Blood Bubbles“ schwingt sich wieder in pathetische Gefilde. Das lässige „North Ave.“ fasst den Sturm und Drang von Disgraceland noch mal auf den Punkt zusammen. The Orwells ist eine Band, nach der junge Mädchen auf Konzerten ihre feuchten Slips werfen werden. Natürlich werden diese phantastischen Jungspunde zukünftig an diesem Wahnsinns-Debüt gemessen werden. Doch was auch immer noch von The Orwells erscheint, eine Riesenbereicherung für den Rock’n’Roll ist diese Band jetzt schon. Mit Disgraceland wandeln The Orwells auf den bedeutsamen Spuren von If This It, Up The Bracket, Lust For Life und bewerben sich für das Album des Jahres. Ein Erweckungserlebnis. Und wieder einmal behält Neil Young mit seinem weisen Spruch recht: „Rock’n’Roll Can Never Die“.

 „Disgraceland“ von The Orwells ist am 06.06.2014 bei Atlantic Records / Warner Music erschienen.

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