Reeperbahn Festival 2014: Dritter Tag – Konzertreview

Musikalische Entdeckungen aus Hamburg, England, Frankreich und Brasilien

von Gérard Otremba

Zur abendlichen Einstimmung erst mal wieder am Spielbudenplatz vorbeigeschaut und siehe da, im Gegensatz zum Vortag findet das Konzert auf der Astra-Bühne um 19 Uhr statt. Nun ist das Hamburger Duo Parasite Single natürlich längst nicht so laut wie Die Nerven, ganz im Gegenteil. Der Electro-Pop von Parasite Single lebt von coolen, sanften Beats, die im und Ambient- und Trance-Pop ihre Heimat finden, dem zarten und anmutigen Gesang von Jasmina Quach sowie dem Dream-Pop-Gitarrenspiel von Christian Seim. Ein schöner Opener für einen entdeckungswürdigen dritten Tag beim Reeperbahn Festival 2014.

PARASITE SINGLE - THE HUNT (Official Video)

Die englische Band Wooden Arms im Imperial Theater

Traumhaft geht es weiter im Imperial Theater, wo das britische Sextett Wooden Arms ihren wahrlich zauberhaften Kammer-Pop präsentiert. Den Songs von Pianist und Sänger Alex Carson, Sänger, Gitarrist und Trompeter Jeff Smith, Sängerin Milly Hirst, Violinistin und Sängerin Jessica Diggens, Cellist Fynn Titford-Mock und Schlagzeuger Alex Mckenzie liegt eine ergreifende Grundmelancholie zugrunde. Sie sind von solch entrückter Schönheit, es ist als ob sich Ben Folds im Wald versteckt und mit Hilfe von Belle & Sebastian mit Island-Atmosphäre verwunschenen, naturalistischen Dream-Folk komponiert hätte. Betörend und unbedingt empfehlenswert, die Musik von Wooden Arms.

Wooden Arms - December (Fieldgate Sessions)

Das französische Duo Cats On Trees im Gruenspan

Mächtig ins Schwitzen bringt das französische Duo Cats On Trees das Publikum anschließend im Gruenspan. Okay, es ist sowieso schon sehr warm Saal, doch der feurige Schlagzeugrhythmus von Yohan Hennequin und der Verve von Pianistin und Sängerin Nina Goern treibt bei den Uptempo-Nummern jeden zum Tanzen an. Doch Cats On Trees bieten auch sphärische, opulente und hymnische Songs, die teilweise auch an Tori Amos erinnern, und spielen eine beeindruckende Coverversion des Tears For Fears-Klassikers „Mad World“, bevor die beiden mit groovendem Rock-Pop weitermachen und die Tanzfete fortführen. Ein sehr unterhaltsamer Auftritt.

Die brasilianischen Berliner Canja Rave in der Hasenschaukel

Genauso wie der Gig von Canja Rave in der Hasenschaukel, wohin es den Chronisten als Nächstes verschlägt. Das aus Brasilien stammende und in Berlin wohnende Duo offeriert eine wüste, überaus spaßige Mischung aus Folk-Punk, Punk-Rock, Country-Rockabilly, Alternative-Rock und Gitarren-Indie-Pop. Gitarrist und Sänger Chris Kochenborger und Schlagzeugerin Paula Nozzari, die auch die Melodica (sofern diese funktioniert) und das Waschbrett bedient, bringen die Hasenschaukel mit ihrem mal an die Poques, mal an die Ramones, oder einen überdrehten Johnny Cash erinnernden Sound zum Kochen. Absolut folgerichtig das Cover des Ramones-Hits „Sheena Is A Punkrocker“. Ein überaus sympathischer und nachhallender Auftritt von Canja Rave.

Die französische Songwriterin Joe BeL im Jazz Café

Im Jazz Café verzückt dann noch die französische Sängerin und Songwriterin Joe BeL die zuhörenden Gäste. Unterstützt von einem Gitarristen und Schlagzeuger überzeugt Joe BeL mit ihrer ausdrucksvollen, den Soul atmenden, zwischen Zaz und Feist changierenden Stimme sowohl in den ruhigen Passagen ihres chansonhaften Indie-Folks, als auch in den rockigeren Uptempo-Soulgroove-Stücken. Die 1987 geborene Joe BeL hinterlässt mit ihrem charmanten Auftritt den größten, weil überraschendsten Eindruck des Abends. Das erste Album soll im kommenden Jahr erscheinen….

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