Ryan Adams live in Hamburg – Konzertreview

Ryan Adams live in Hamburg – Konzertreview

Ein berauschender Ryan Adams-Auftritt am 01.07.2015 im Hamburger Docks

von Gérard Otremba

Ryan Adams hat uns mit Heartbreaker, Gold und Cold Roses mindestens drei Meisterwerke geschenkt und glänzte mit vielen weiteren großartigen Alben. Sein Alternative-Country-Americana-Rock’n’Roll huldigt immer den ganz großen, von Bob Dylan bis Bruce Springsteen und neben Jeff Tweedy von Wilco gehört der 40-jährigem in Jacksonville, North Carolina, geborene Songwriter zu den wenigen Genies der letzten Jahre. Und zu den kreativsten noch dazu, fast 20 Alben in 15 Jahren, vorher schon vier mit Whiskeytown in fünf Jahren, sprechen für sich. Im Jahr 2005 veröffentlichte er mit 29, Cold Roses und Jacksonville City Nights gleich drei Alben, die seinen Status als neuen Meister des neuen Folk-Rock unterstrichen.

Nach längerer Abwesenheit auf Deutschlands Bühnen betritt Ryan Adams kurz vor 21 Uhr die Bühne des seit Wochen ausverkauften Docks und beginnt mit seiner vierköpfigen Begleitband das einzige Deutschland-Konzert des Jahres mit einem krachenden „Gimme Something Good“, dem Opener seines letztjährigen, selbstbetiteln Albums und lässt ein souveränes und fließendes „Let It Ride“ folgen. In den folgenden 100 Minuten setzen ein prächtig aufgelegter Ryan Adams und seine kongeniale Band diverse Highlights und spielen etliche Songs aus der Frühphase seiner Karriere. Zu den Konzerthöhepunkten zählt zweifellos das neuere „Stay With Me“, einer der besten Tom Petty-Songs, der nicht aus dessen Feder stammt. Adams gibt den Gitarren-Poser und lässt die Band von der Leine, Rock’n‘Roll der Marke „Zurück in die Zukunft“.

Das bluesgetränkte „Peaceful Valley“ artet in einem Neil Young-artigen Jam aus, Gitarren- und Orgel-Solo inklusive. Vom Publikum euphorisch aufgenommen und von Ryan Adams enthusiastisch dargeboten wird der ausgelassene Rock’n’Roll-Feger „To Be Young (Is To Be Sad, Is To Be High)“, bevor gleich anschließend mit einem verträumten „When The Stars Go Blue“ der Romantiker in Ryan Adams zum Vorschein tritt. Nicht zu bändigen dagegen das stürmische „Shakedown on 9th Street“, doch was kann es Schöneres geben, als Ryan Adams bei seinem barmenden „Oh My Sweet Carolina“ zuzuhören? Einer der grandiosesten Ryan Adams-Songs ever, von ihm mit aller Liebe und Inbrunst präsentiert. Ähnlich wie „Peaceful Valley“ entwickelt „Nobody Girl“ ein monströses Eigenleben und wird durch eine Wahnsinns-Performance zu einem mächtigen Rock-Monolithen.

Sehnsüchtig, verletzlich, sanft und hinreißend dann „Come Pick Me Up“, während das abschließende „Magnolia Mountain“ fast schon einen Grateful Dead-Jam-Charakter erfährt. Eine ganz famose Version. Für eine Zugabe kommt Ryan Adams noch einmal auf die Bühne zurück und entzückt die Fans ganz im Stile Bruce Springsteens mit einer akustischen Version von „New York, New York“. Es war Zeit, ihn nach neun Jahren endlich wieder live erlebt zu haben, die Pause zum nächsten Ryan Adams-Gig wird hoffentlich nicht wieder so lang, zu gut sind seine Songs, zu wirkungsvoll, nachhallend und berauschend seine Auftritte.

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