Daniel Decker: Weißer Wal – Album Review

Daniel Decker: Weißer Wal – Album Review

Eine Indie-Rock-Pop-Entdeckung aus Berlin

von Gérard Otremba

Nachdem Daniel Decker in den Nuller-Jahren mit dem Pawnshop Orchestra zwei Alben und einige EPs veröffentlichte, ist Weißer Wal nun sein erstes Solo-Album. Der in Neuss geborene und in Berlin lebende Songwriter greift auf Weißer Wal die Parolen-Rock-Tradition von Ton Steine Scherben auf und findet sich damit im musikalischen Umfeld der Hamburger Band Trümmer wieder. Seine Indie-Rock-Stücke erinnern an frühe Blumfeld-Platten, doch immer in Verbindung mit der aktuellen Trümmer-Coolness. Weißer Wal ist eine Platte, die den Anspruch zur Veränderung in sich trägt und Daniel Decker setzt seine dahingehenden Forderungen perfekt um. „Ich gegen diese Welt“ heißt dann auch gleich die erste Kampfansage im Eröffnungsstück „Prolog“, den er mit seiner E-Gitarre im Stil von Billy Bragg präsentiert. Die Unzufriedenheit bricht sich Bahn, Zorn schwelt auf, der im anschließenden „Wir brauchen mehr Texte“ in den Zeilen „Das ist erst der Anfang, wir fangen erst an, wir werden dabei sein, wenn alles zerbricht“ mündet.

Das alles im polternden Blumfeld-Indie-Rock mit Pop-Appeal. „Wir brauchen mehr Texte, wir wollen mehr Prosa und viel mehr Parolen / Wir wollen Gedichte, viel mehr Gedichte“, wie sollte man bei solchen Lyrics Daniel Decker nicht auf den Knien danken? Zu den euphorischen Indie-Rock-Songs gehören noch das hymnische „Enklave“, das dringliche „Embedded Journalists“ („Wir sind im Krieg gegen uns selbst“) und das punk-rockige „Wir müssen zerstören“ („Wir müssen es zerstören, bevor es uns zerstört“). In „Helden für einen Tag“ flirtet Decker gekonnt mit dem Indie-Disco-Beat von Bloc Party und bei „Diese Stadt ist ein Scheißdreck“ und „Epilog“ verschmelzt er die Rock-Momente mit dem unwiderstehlichen Indie-Pop von Trümmer. Herzallerliebsten und melodiösen Pop mit Streicherklängen und „Lalala“-Chören bietet uns „Langsames Gift“, während Daniel Decker für „Diazep“ das Tempo entschleunigt, in „Wir werden uns rächen“ dunkle Töne anstimmt und sich im Titelsong „Weißer Wal“ in introvertierter Singer-Songwriter-Manier zurückzieht. Daniel Decker kommt, um sich zu beschweren. Er sollte gehört werden. Sein Album Weißer Wal gehört zu den Indie-Rock-Pop-Entdeckungen des Jahres 2015.

„Weißer Wal“ von Daniel Decker ist am 05.06.2015 bei Tumbleweed Records erschienen. 

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