The Barr Brothers: Sleeping Operator – Album Review

The Barr Brothers: Sleeping Operator – Album Review

Begnadeter Americana-Indie-Folk

von Gérard Otremba

Die neue kanadische Lieblingsband kommt aus Montreal und heißt The Barr Brothers. Nun sind die beiden Brüder Brad und Andrew Barr zwar von Boston nach Montreal gezogen, gründeten dann jedoch dort mit ihrer neuen Nachbarin Sarah Pagé und Andrés Vial 2006 die Band The Barr Brothers. Mit Sleeping Operator, seinem zweiten Longplayer nach dem 2011 veröffentlichten, selbstbetitelten Debüt, erobert das Indie-Folk-Quartett das Musikuniversum. Sänger und Gitarrist Brad Barr, Schlagzeuger Andrew Barr, Pianist Andrés Vial und Harfenistin Sarah Pagé setzen auf einen detailverliebten und variantenreichen Indie-Folk, der durch den Einsatz selten benutzter Instrumente (Vibraphone, Marimba, Dulcimer) verstärkt wird. Außerdem beteiligen sich diverse Gastmusiker mit Elektrischen Bässen, Kontrabässen, Violas, Trompeten, Hörnern, Posaunen, Steel Pedal Gitarre und Backing Vocals am Sound und sorgen für eine reizvolle Vielfalt. Der kurze instrumentale Opener „Static Orphans“ fließt nahtlos in „Love Ain’t Enough“ über, das im fließenden Strom seine Hände nach The Band und Wilco streckt und im anschließenden Country-Folk-Noir von „Wolves“ auch erreicht.

Während „Evan The Darkness Has Arms“ den Songwriter-Folk von Simon & Garfunkel evoziert, gerät „Come In The Water“ zu einem echten Meisterstück. Ein Song zum Niederknien, von kaum erträglicher Schönheit. Als hätten Wilco, The Band und Van Morrison ihre Kräfte mobilisiert und in den Ring geworfen. Eine zarte Orgel und Gitarre begleiten das zurückhaltende Schlagzeug und den sanften Gesang Barrs, bevor sich alles mit Trompeten und verzerrter Gitarre, die von Pagés Harfe konterkariert wird, zum feierlichen Ausbruch sammelt. Zurück bleibt eine himmlische Steel Pedal und weil der Song mit fast sieben Minuten auch die gebührende Länge aufweist, wiederholen The Barr Brothers diesen Vorgang ein zweites Mal. Die Zeit bleibt stehen, die Barr Brothers wählen hier eindeutig den Stairway to Heaven. Weitere Perlen wie das getragene „How The Heroine Dies“, das bluesige „Half Crazy“, das offene, fast zerfahren wirkende Arrangement von „Bring Me Your Love“ oder „The Bear At The Window“, in dem Harfe, Trompete und E-Gitarre ein heilige Allianz eingehen, folgen. Und den erhabenen Ausklang „Please Let Me Let It Go“ nicht zu vergessen. Mit dem Album Sleeping Operator versprühen The Barr Brothers pure Magie.

„Sleeping Operator“ von The Barr Brothers erscheint am 10.10.2014 bei Secret City Records / Rough Trade.

The Barr Brothers performing "Love Ain't Enough" Live at the Village on KCRW

 

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