Nick Cave & The Bad Seeds: Skeleton Tree – Album Review

Nick Cave & The Bad Seeds: Skeleton Tree – Album Review

Der Schmerz, die Trauer und Nick Caves Soundtrack dazu

von Gérard Otremba

Mit seinem neuen Album Skeleton Tree knüpft Nick Cave nahtlos an sein formidables letztes Werk Push The Sky Away an. Die getreuen Bad Seeds entfalten, wieder auf ihr Mindestmaß reduziert, eine tiefe Intensität, wie sie bereits den Alben The Boatman’s Call und No More Shall We Part eigen war. Von Skeleton Tree geht eine schauerhafte Atmosphäre aus, aber wie könnte es auch anders sein, muss Nick Cave doch den Tod seines 15-jährigen Sohnes Arthur verkraften und verarbeiten, der im letzten Jahr unter Drogen-Einfluss von einer Klippe in Brighton in den Tod sprang. Diese erschütternde private Katastrophe in Caves Leben ereignete sich mitten während der Aufnahmen zu Skeleton Tree und die Musik darauf lebt von der Kraft des Unfertigen. Es ist ein Monument der Trauer und Tristesse geworden, düster, morbide und verzweifelt.

Viel zartes Pianospiel, die Bad Seeds im wahrsten Sinne des Wortes skelettiert, gelegentliche Percussion, wabernde Synthies, elektronische Sprengsel, verzerrte Violinen, und alles untergründig und teils an den Nerven zerrend, wie beim zutiefst verstörenden „Anthrocene“. Mit Caves typischem, seine Lyrics vortragenden Sprechgesang beginnt das Eröffnungsstück „Jesus Alone“, ein Prunkstück erbarmungsloser Hoffnungslosigkeit, das in „Rings Of Saturn“ mündet, einem futuristischen und sphärischen Dream-Pop-Track, von Nick Caves trauriger Stimme und wortreichen Zeilen dominiert. Der Schmerz in Caves brüchigen Vocals geht bei Girl in Amber ganz tief unter die Haut, man spürt förmlich das Blut aus der Wunde tropfen. Albtraumhafte Selbstentblößung in minimalistischer Form folgt mit „Magneto“, man hält die Deprimiertheit wirklich kaum noch aus, dermaßen spannungsgeladen sind diese trügerisch ruhigen fünf Minuten.

In ein vergleichsweise edles Gewand stecken Nick Cave und sei Zeremonienmeister Warren Ellis das überragende und sehnsüchtige „I Need You“. Die dänische Sopranistin Else Torp verleiht „Distant Sky“ den sakralen Überbau, ein so reiner und anmutiger wie auch schwermütiger und bedrückter Abschiedssong. Trotz der tiefen Trauer, die auch das abschließende Titelstück „Skeleton Tree“ beherrscht, hört man hier eine Spur des Trostes heraus. Skeleton Tree ist ein überwältigendes Album, auf das man sich zweifellos einlassen muss, sogar als Nick Cave-Liebhaber. Auf eine schwere Probe stellt Nick Cave seine Anhänger, genauso wie das Leben ihm selbst eine der schwersten Prüfungen stellte. Aber wir wissen, dass keiner die dunkle Seite des Lebens besser mit Schönheit ausfüllt, als Nick Cave. Mit Skeleton Tree, dem 16. Studioalbum mit den Bad Seeds, tritt er den wiederholten Beweis dieser These an.

„Skeleton Tree“ von Nick Cave ist am 09.09.2016 bei Bad Seeds Ltd / Kobalt Music erschienen.

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