Haiyti: Influencer – Albumreview

Haiyti: Influencer – Albumreview

Zweites „Album des Jahres“ der Rapperin Haiyti innerhalb von sechs Monaten

Und weiter geht’s. Sechs Monate nach dem Release des von Sounds & Books an dieser Stelle besprochenen Vorgängeralbums „Sui Sui“ schließt „Influencer“ ein extrem produktives Jahr für Haiyti ab. Erste Singles tauchten schon kurz nach „Sui Sui“ auf – zuerst „Sweet“ im September, bei dem die „Wannabes“ im Game ihr erstes Fett abbekommen und Haiyti ihre Diskrepanz zwischen dem Anspruch auf den Rap-Thron und den ernüchternden kommerziellen Tatsachen formuliert. Neunzehn (!) mehr oder weniger neue Stücke bekommt man mit „Influencer“, kein Ausfall dabei, wie immer. Zu jedem der sechs als Single ausgekoppelten Songs gibt’s ein Video, zwischendurch griff Haiyti ihrem „Bruder“ Joey Bargeld noch unter die Arme. Wie macht sie das bloß?

Haiyti: Oder der Anspruch auf Alles oder Nichts

Haiyti Influencer Cover Haiyti Records

Dieses Ausmaß an kreativer Energie ist beeindruckend. Das Ringen um kommerziellen Erfolg neben der künstlerischen Anerkennung wirkt inzwischen allerdings leicht manisch und offenbart sich in Ambivalenzen, die das gesamte Album durchziehen. „Erst wollt ich Fame und dann wollt ich, dass es aufhört“ heißt es in „Holt mich raus“, „9 to 5 war nie mein Ziel. Guckt mich an, ich bin ein Star. Sie sagen, ‚Der Weg ist das Ziel‘, doch ich frag mich, wann komm ich an?“ in „Zu Real“. Dazwischen Absturz, Auferstehung, Party, Overdose sowie der Anspruch auf Alles oder Nichts.

Es ist Kunst, was hier passiert

Haiyti brennt und wirkt wie eine Getriebene, deren Output fasziniert wie begeistert – über die man sich jedoch auch Sorgen machen kann, falls das lyrische Ich ihrem wahren Ego größtenteils entsprechen sollte. Musikalisch ist das alles soweit mehr als der auch im Promozettel vielbeschworene Straßenrap. „Art Pop“ nennt Spotify Haiytis Musik und hat damit nicht Unrecht, denn ja, es ist Kunst, was hier passiert – nicht nur „Deutschraps Zukunft“ („Comeback“) sondern ebenso ein verdientes Dauerthema für die Feuilletons. Stellt Euch drauf ein, Ganovenfreunde: das ist nicht nur für Euch, dazu ist es zu eigen, zu gut, zu klug, zu sehr Crossover. Darüber hinaus mit tonnenweise Referenzen an die Popkultur, auch an historische. Haiyti ist eine hervorragende Singer/Songwriterin, eine der Allerbesten in diesem Land, nur mit Beats statt Klampfe. Zeitgemäß eben. „Rap ist cool doch dafür würd ich nicht mein Leben geben / Wenns nicht klappt überfall ich einfach Edelläden“ („Klunker“). Schon erstaunlich, zwei Platten des Jahres in sechs Monaten zu fabrizieren.

„Influencer“ von Haiyti erscheint am 04.12.2020 auf Vinyl bei Haiyti Records Warner Music. (Beitragsbild: Albumcover)

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