Deafheaven: 10 Years Gone – Albumreview

Deafheaven: 10 Years Gone – Albumreview

Ein Live-Album ohne Publikum zum zehnjährigen Geburtstag der Black-Metal- und Indie-Rock-Band Deafheaven

Black Metal scheint neben dem Gangster-Rap die Klangrichtung zu sein, die vom Gros der an moderner Musik Interessierten am skeptischsten betrachtet wird. Nicht zu Unrecht, findet man ohne lange suchen zu müssen in beiden Genres Vertreter ihrer Zunft, die sich hochgradig antisozial und elitär geben. Dass es jedoch auch Gegenströmungen dazu gibt sowie Weiterentwicklungen, die solch zu Recht kritisierbaren Urgesteinen nicht nur Paroli bieten, sondern mit ihrem Tun komplett andere bis entgegengesetzte Inhalte offerieren, wird oft übersehen; von den Befürwortern der reinen, klassischen Lehre sogar strikt abgelehnt. Ihr Pech.

Deafheaven zwischen Black Metal, Shoegaze und Post-Rock

Deafheaven 10 Years Gone Cover Sargent House

Deafheaven, Black Metal-Fans aus San Francisco, veröffentlichten ihr erstes Demo 2010 – feierten in diesem Jahr also runden Geburtstag und wollten diesen mit einer Tour zelebrieren, die pandemiebedingt ausfiel. Ihr Post-Black-Metal kommt ideologisch aus der Hardcore-Community und mutierte in den vergangenen Jahren zum Lieblingssound von Indie-Fans wie -Magazinen. Ihr infernalisches Gekeife paart sich dabei mit sphärischen Gitarrenläufen, wie man sie im Shoegaze sowie im Post-Rock findet. Das macht bei traditionellen Metalfans schon recht wenig Laune. Dass das Quintett 2013 als zweite Scheibe „Sunbather“ veröffentlichte, das durch experimentellere Sounds sowie, welch Schock, ein rosa Cover auffällt, verhagelte die Rezeption bei den konservativen Genrefreunden komplett.

Ein etwas anderes Live-Album

Brüder im Geiste, mit denen Deafheaven auf Tour waren, sind dann auch eher moderne sowie reflektierte HC-Formationen wie Touché Amoré; auf lauten Grenzgänger-Events wie dem Roadburn-Festival sind sie gern gesehene Gäste. Aber eben nicht 2020. Spielen wollten Deafheaven jedoch trotzdem, und zwar ein Set, das einen Bogen schlägt vom ersten über Bandcamp veröffentlichten Demo bis zum letzten Studioalbum, dem von der Kritik hoch gelobten „Ordinary Corrupt  Human Love“. Taten sie dann für sich  und ohne Publikum, trotzdem jedoch live, weswegen die Stücke auch anders klingen als auf den vorherigen Veröffentlichungen. Den Opener „From The Kettle Onto The Coil“ fand man bisher sogar noch gar nicht haptisch, sondern nur als Online-Single. Ein etwas anderes Live-Album also von einer innovativen Formation, die Black Metal sowie Indie-Rock neu definiert hat und deren Geschichte hoffentlich noch lange nicht zu Ende erzählt ist.

„10 Years Gone“ von Deafheaven erscheint am 04.12.2020 bei Sargent House / Cargo Records. (Beitragsbild von Bobby Cochran)

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