Milliarden: Berlin – Albumreview

Milliarden: Berlin – Albumreview

Eine Berliner Liebeserklärung von Milliarden

Ben Hartmann und Johannes Aue, alias Milliarden, sind zurück.  Nach ihrem vor zwei Jahren veröffentlichten und bei Sounds & Books gelobten Debütalbum Betrüger und anschließenden, unzähligen Konzerten, knüpfen sich die beiden in Berlin lebenden Musiker auf dem neuen Longplayer ihre Heimatstadt vor. Alles, was auf Betrüger Spaß gemacht hat, findet sich auf Berlin wieder. Das Raue, das Stürmische, das Herzliche, das Kaputte, der Schmutz, das Rauschhafte, das Windschiefe, die Gassenhauer, der Kneipenchic, der (Post-)Punk, der Pop, New Wave, NDW.

Milliarden Berlin Albumcover Vertigo RecordsMilliarden transportieren auf Berlin den Hauptstadtchic der Spätsiebziger- und Frühachtziger in die heutige Zeit. Milliarden sind häufig aufgebracht, Vocals und Instrumente überschlagen sich in Drang und Eifer, aber dann finden sie auch die Zeit für das Schwergewichtige, Private und Persönliche des Lebens, das in liebevoll-nachdenklicher Form gegossen wird, wie die schmerzhafte Geschichte einer Abtreibung in „Ultraschall“. Ben Hartmann und Johannes Aue setzen der Millionenstadt an der Spree ein Denkmal mit dem Faible für Außenseiter. Wie die junge „Rosemarie“ zum Beispiel, „der Stern vom Warschauer Kiez“, die eben dort im angetrunkenen Zustand Touristen erschreckt. Und von Milliarden im herzzerreißenden Wanda-Twang präsentiert. Ja, so funktionieren kitschfreie und leidenschaftliche Liebeserklärungen. Doch Vorsicht, Berlin, denn gleichzeitig ist Berlin auch Abgesang und Warnung.

Der Verlust von Unschuld und Freiheit der Nachwendezeit, verursacht durch eine Investorenschwemme, wird angeprangert, „die beste Zeit“ der Hauptstadt ist vorbei, das Chaos beendet. Allein, Milliarden bleiben Berlin treu („Ich springe splitternackt in die Trümmer deiner Nacht, ich bleib bei dir, so lang ich kann“), denn ein letzter Hoffnungsschimmer bleibt („Du bist noch nicht verloren, das Chaos steht bereit, für eine neue Zeit“). Klar, der Titelsong als zentrales Stück des Albums. Aber auch das treibende „Die Toten vom Rosenthaler Platz“, das punkig-entfesselte „JaJaJa“, die Fehlfarben-Reminiszenz „Milliarden Milliarden“ sowie der traurige Closer „Ich vermiss dich“ sind weitere Album-Highlights. So kann das mit Milliarden gerne weitergehen.

„Berlin“ von Milliarden ist am 01.06.2018 bei Vertigo / Universal erschienen (Beitragsbild: Milliarden, Pressefoto).

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