Weezer: Pacific Daydream – Album Review

Weezer: Pacific Daydream – Album Review

 

Unbeschwerte Beach Boys-Harmonien des Quartetts aus Los Angeles

Das Farbspektrum ist zwar noch lange nicht durch, doch das elfte Weezer-Album  genießt dann doch den Status eines herkömmlichen Titels. Pacific Daydream heißt der neue Longplayer der Alternative-Rock-Band aus Los Angeles und es ist eine inhaltliche Abkehr des ursprünglichen Plans, dem sogenannten „White Album“ von 2016 ein thematisches „Black Album“ folgen zu lassen. Es wäre den Songs gegenüber auch unfair gewesen, sie titeltechnisch in die Düsterecke zu stecken, denn das sind sie gewiss nicht. Ganz im Gegenteil frönen Weezer auf Pacific Daydream dem wahrscheinlich unbeschwertesten Rock-Pop ihrer Karriere.

Sounds & Books_Weezer_Pacific Daydream_CoverSänger und Gitarrist Rivers Cuomo, Gitarrist und Keyboarder Brian Bell, Bassist Scott Shriner und Schlagzeuger Patrick Wilson nahmen für das neue Album zehn Tracks auf, die den pazifischen Tagtraum in musikalische Form bringen. Von den frühen Nerdzeiten, als Weezer mit „Buddy Holly“ und „Island In The Sun“ Indie-Hymnen für ewige Studenten schrieben, hat sich die Band verabschiedet. Auf Pacific Daydream dominiert endgültig der Pop mit hinreißenden Melodien und himmlischen Harmonien, die bereits früher auf Weezer-Alben zu finden waren, doch noch nie sind Weezer den Beach Boys näher gekommen als beim umwerfenden Chorus in „Weekend Woman“. Ein fabelhafter Song, der vielleicht nur noch von „Sweet Mary“ getoppt wird, wo eine bittersüße, melancholische und romantische Sehnsucht in die sonst die Welt umarmende Melodie Einzug hält. Die Beach Boys treffen Roy Orbison und Weezer gelingt ein weiterer großer Popmoment.

Ja, es sind viele sonnendurchflutete Sommersongs auf Pacific Daydream zu finden. Im Opener „Mexican Fender“ von härteren Indie-Rock-Gitarren samt überwältigenden Backing-Chören dominiert, während „Beach Boys“ und „Feels Like Summer“ auch aus der Feder von Beck stammen könnten. Und dass „sad days“ dann doch auch fröhlich sein können, beweisen Weezer in „Happy Hour“. Mit Westcoast-Eleganz besticht das verträumte „QB Blitz“, „Get Right“ stürmt mit Macht vorwärts, einzig bei „La Mancha Screwjob“ und „Any Friend Of Dinane’s“ übertreibt es das Quartett mit der Disco-Pop-Anbiederung, aber über eine gewisse Catchyness verfügen auch diese Songs. Weezer goes Beach Boys, und es passt.

„Pacific Daydream“ von Weezer erscheint am 27.10. 2017 bei Atlantic / Warner Music.

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