Ryley Walker: Golden Sings That Have Been Sung – Album Review

Ryley Walker: Golden Sings That Have Been Sung – Album Review

Ryley Walker hat eines der spannendsten Songwriter-Alben des Jahres aufgenommen

von Sebastian Meißner

Zaghaft beginnt er, der langersehnte Nachfolger seines 2015er-Albums „Primrose Green“. Über eine lässig gezupfte Akustikgitarre bringt sich die Band nur zaghaft in Position und nimmt erst einen tiefen Atemzug, bevor sie in den verspielten Rhythmus von „The Halfwit In Me“ einsteigt. Einmal in der Spur, zeigen Ryler Walker und Band ihre ganze Könnerschaft. 200 Konzerte in zehn Monaten haben sie gemeinsam gespielt. Das stärkt die Bindung, schafft vertrauen und öffnet Horizonte. Und so ist „Golden Sings That Have Been Sung“ ein auffällig verspieltes und in seinen Feinheiten sehr anspruchsvolles Album geworden, das von LeRoy Bach zudem äußerst ansprechend produziert wurde. Beeinflusst wurde er vor allem von Chicagoer Bands wie Gastr Del Sol oder Tortoise. Ein wenig Bonnie „Prince“ Billy, Joe Henry, Chris Whitley und Daniel Lanois sind ebenfalls herauszuhören.

Vor allem immer dann, wenn die Band das Tempo drosselt und sich in schwereloser Melancholie zu verlieren droht, wie etwa auf „Funny Thing She Said“ oder „Sullen Mind“. Es sind auch genau diese Songs aus der Albummitte, die am stärksten sind. Dazu zählt auch das in seiner Schlichtheit besonders ergreifende „I Will Ask You Twice“. Leider hält das Album die Spannung nicht durchgehend. „The Roundabout“, „The Great And Undecided“ sind in ihrer Skizzenhaftigkeit zu zaghaft, um Eindruck zu hinterlassen. Und auch der Ausstieg mit „Age Old Tale“ verliert sich zwischendurch in der Sorglosigkeit. Walker setzt eben in erster Linie auf Gefühl und Atmosphäre. Manchmal leidet das Songwriting darunter. Dennoch ist „Golden Sings That Have Been Sung“ eines der spannenderen Songwriter-Alben des Jahres so far.

„Golden Sings That Have Been Sung“ von Ryley Walker erscheint am 19.08.2016 bei Dead Oceans.

 

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