Leon Francis Farrow: King Future – Album Review

Leon Francis Farrow: King Future – Album Review

 

Das Berliner Quartett Leon Francis Farrow wandelt stilsicher auf Americana-Pfaden  

Viel amerikanischer kann der Rock’n’Roll aus Berlin nicht klingen. Man verortet Leon Francis Farrow irgendwo zwischen Chicago und Los Angeles, doch ist das Quartett in Deutschlands Hauptstadt beheimatet. Die Lieblingsbands von Sänger und Gitarrist Phil Nemeth, Gitarrist Niels Garve, Bassist Jacco Herhaus und Schlagzeuger Lukas Kurz heißen beispielsweise The Band, Wilco, The White Stripes, The Black Keys, CCR, Led Zeppelin, The Rolling Stones und The Beatles (die drei letztgenannten Bands stammen zwar aus England, ihre Musik ist aber sehr universell ausgerichtet, so dass das Herkunftsland keine wirkliche Rolle spielt).

Sounds & Books_Leon Francis Farrow_king-future-coverDie Mitglieder von Leon Francis Farrow beweisen aber nicht nur einen exquisiten Musikgeschmack, auch ihre literarischen Vorlieben, wie Unterwegs von Jack Kerouac, Steppenwolf von Hermann Hesse, Herr Lehmann von Sven Regener oder Tschick von Wolfgang Herrndorf, genügen höheren Ansprüchen. Beste Voraussetzungen, die Leon Francis Farrow für ihr bemerkenswertes zweites Album King Future nutzen. In nur zehn Tage spielten Leon Francis Farrow das Werk live in einem Raum ein und diese unmittelbare Direktheit tut den Songs wahrlich gut.

Ganz am Schluss von King Future, beim schwankenden Riesen „Harvest“, glänzen Leon Francis Farrow mit diesen großartigen, immer etwas windschief klingenden The Band-Gedächtnis-Chorgesängen. Und wer beim Stichwort „Harvest“ nicht sofort an Neil Young denkt, hat die Musiksozialisation verpennt. Natürlich atmet King Future auch Youngs Vermächtnis, man höre nur mal den Country-Folk-Rock von „Heavy Roller“ oder das legere, leicht melancholische „You’re Such A Shame“. Hier ist dann auch Wilco nicht mehr weit, an die auch mit einer lyrischen Gitarrenfigur versehene Opener „I Don’t Want This Anymore“ erinnert.

Eklektisch? Epigonenhaft? Sicher, aber verdammt gut gemacht. Denn der wilde Garagen-Rock von „The Liverpool Deceased“ hat es in sich und der verschleppte Stones-Blues in „For The Common“ berührt ungemein. Rock’n’Roll und Rhythm & Blues („Money From The People“), Folk in der traurigen Variante („Lilly“) sowie gewichtiger, ausgelassener Stoner-Rock’n‘Roll („I’m About To Cheat“) gedeihen auf King Future ebenfalls bestens. Er passt sehr gut so, der Americana-Rock’n‘Roll aus Berlin von Leon Francis Farrow.

„King Future“ von Leon Francis Farrow ist am 11.08.2017 bei ListenRecords / Broken Silence / Believe Digital erschienen (Beitragsbild: Marie-Louise Häfner).

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