Wilco live in Berlin – Konzertreview

Wilco live in Berlin – Konzertreview

Die Chicagoer Rockband Wilco erobert das Berliner Tempodrom

Text und Fotos von Gérard Otremba

Vor vier Jahren war die alles überragende zeitgenössische Rockband Wilco zuletzt in Deutschland auf Tour mit drei unvergesslichen Konzerten in Stuttgart, Hamburg und Köln. In der Zwischenzeit veröffentlichten Wilco eine Essential– und eine Rare-Tracks-Compilation sowie die Alben Star Wars und zuletzt Schmilco. Nun zog es Wilco dieses Jahr zu den New Fall Festivals in Stuttgart und Düsseldorf und auch die Headlinerrolle beim Rolling Stone Weekender ließ sich die Band um Sänger und Songwriter Jeff Tweedy nicht nehmen. Am 07.11. 2016 folgte ein umjubelter Auftritt im Berliner Tempodrom.

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Mit drei Songs vom aktuellen Album Schmilco („Normal American Kids“, „If I Ever Was A Child“, „Cry All Day“) eröffnen Jeff Tweedy (Gitarre und Vocals), Gitarrist Nels Cline, Bassist John Stirratt, Drummer Glenn Kotche, Gitarrist und Keyboarder Mikael Jorgensen sowie Keyboarder Pat Sansone den Abend in den ruhigen Gewässern des Alternative-Folk und Folk-Pop, bevor die progressive Wilco-Seite mit „I Am Trying To Break Your Heart“ und dem brachial-apokalyptischen „Art Of Almost“ durchschlägt. Dekonstruktive Phasen sind dann noch in „Missunderstood“ und „Via Chicago“ zu vernehmen, während „Bull Black Nova“ in einer skelettierten und geheimnisvollen Variante neu erfunden wird.

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Ein zauberhaft schönes „Reservation“ lässt einen entzückt zurück, ein lieblich-verspieltes „We Aren’t The World (Saftey Girl)“ folgt auf das zentrale Wilco-Stück „Impossible Germany“. Wilco können einfach nichts falsch machen, sind allerdings bereits lange im Geschäft, der Backkatalog ein großer und so fehlt immer mal das ein oder andere Lieblingsstück auf Wilco-Konzerten. Aber knackige Rocksongs wie „TheJoke Explained“ und „Random Generator“ sind jederzeit herzlich willkommen und ein lange nicht mehr gehörtes „Pot Kettle“ Black“ ebenfalls. Die knapp über zwei Stunden Spielzeit vergehen wie im Rausch. Ein trauriges „Jesus, Etc.“, ein düsteres „Locator“, ein fröhliches „Box Full Of Letters“, ein souveränes „Theologians“ sowie ein mit verzerrten Gitarren aufgemotztes „I’m Always In Love“ und schon sieht man sich im Zugabenteil wieder.

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Mit „Heavy Metal Drummer“, „I’m The Man Who Loves You“, „Hummingbird“ und „The Late Greats“ sind dort einige klassische Wilco-Nummern zu hören, die mit einer allgegenwärtigen Präsenz von der großen Wilco-Kunst zeugen. Nach einer zweiten kurzen Applaus-Unterbrechung spielen Wilco noch „Spiders (Kidsmoke)“. Mutierte dieser Song auf der letzten Tour noch zu einer semi-akustischen Angelegenheit, ist diesmal die elektrifizierte Psychedelia-Version en vogue. Ein grandioser Abschluss eines fabelhaften Wilco-Konzertes. Und jetzt bitte nicht wieder eine vierjährige Deutschland-Tour-Pause einlegen.

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Kommentare

  • Basti

    Ich war ziemlich frontal und weit unten im Unterrang, also nicht viel mehr als 10 Meter vom Mischpult entfernt. Da sollte man doch eigentlich einen passablen Sound erwarten dürfen. Tempodrom ist damit für mich vorerst gestorben

  • Benedikr

    Die ersten paar Songs saß ich im Oberrang und wäre fast gestorben, so grausam war es. Dann bin ich runter und dort vor der Bühne war doch alles durchaus ausgewogener. Im Oberrang kriegen definitiv ein paar Blöcke nichts ab, kein Wunder, wenn man neben bzw eventuell sogar hinter den Lautsprechern sitzt. Sind doch recht gebündelt. Tiefbass strahlt nun aber kugelförmig in alle Richtungen und bleibt dann übrig. Insgesamt für mich aber vor der Bühne guter Sound, auch durch eine sehr gute Raumakustik. Oberrang dürfte man aber bei dem Beschallungskonzept eigentlich nicht verkaufen. Mein Hauptkritikpunkt wären aber 5€ für ein Bier 😉 teurer als im Berghain…

  • Basti

    Der Auftritt war dufte. Aber was war das für ein grausamer Sound? Der Bass ein einziger dröhnender Brei, aus dem kein einzelner Ton rauszuhören war. Ist das im Tempodrom immer so schlimm?

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