Welshly Arms: No Place Is Home – Album Review

Welshly Arms: No Place Is Home – Album Review

Welshly Arms steuern mit Bombast in den Mainstream

Fluch und Segen des großen Hits. Mit ihrer Single „Legendary“, die als Titelsong für den letztjährigen „Power Rangers“-Film eingesetzt wurde und für den kommerziellen Durchbruch für Welshly Arms sorgte, setzte sich die Rockband aus Cleveland, Ohio, nachhaltig in Szene. Dieser gewaltige Blues-Rock-Soul-Track war omnipräsent, strotzte vor roher Kraft, brachte aber auch eine nonchalante und geschmeidige Lässigkeit an den Tag. Mit „Legendary“, bei Sounds & Books bereits zum Song des Tages gekürt, konnte sich die Indie-Alternative-Rock-Gemeinde genauso gut arrangieren wie die nun eroberten Mainstream-Fans.

Welshly Arms No Place Is Home Albumcover Vertigo RecordsAuf dem zweiten Welshly Arms-Album No Place Is Home sticht „Legendary“ allerdings wie ein Fixstern am Firmament heraus. Zu sehr eifern Sam Getz (Gesang, Gitarre), Brett Lindemann (Keyboards), Jimmy Weaver (Bass) sowie Mike Gould (Schlagzeug) der „Legendary“-Erfolgsformal nach, lassen zumeist Ecken und Kanten vermissen und enden häufig in fast größenwahnsinniger Opulenz. Songs wie „X“ (direkt auf „Legendary“ folgend und per se kein guter Songtitel) und noch offensichtlicher „Love Of The Game“ werden im Rock-Bombast geradezu ertränkt, da helfen dann auch die zusätzlich  schmetternden Gospel-Soul-Vocals von Bri und Jon Bryant nichts mehr, die sonst einigen Liedern Leben einhauchen. Dabei beginnt No Place Is Home mit dem Italo-Western-Sound von „All The Way Up“ spektakulär, wie ein Bewerbungsschreiben an Quentin Tarantino. 70er-Jahre-Soul-Rock, hymnisch und mitreißend.

Auch das anschließende „Indestructible“ mit seinem funky Touch gehört zu den Gewinnern des Albums, während die Single „Sanctuary“ bereits wie eine bemühte „Legendary“-Kopie wirkt. Welshly Arms stolpern spätestens in Balladen wie „All For Us“, „Locked“ und „Unspoken“ mit Synthie-Sounds in seichte Pop-Gefilde, aber auch die Wucht, die „How High“, „Down To The River“ und „Hammer“ beherrscht, kann nicht über die geglättete Pop-Rock-Politur hinwegtäuschen. Immerhin kann man den flotten Indie-Pop von „Wild“ noch auf der Habenseite verzeichnen. Insgesamt aber sind zu wenige Highlights und zu viel Mainstream-Mittelmaß auf No Place Is Home zu finden.

„No Place Is Home“ von Welshly Arms erscheint am 25.05.2018 bei Vertigo / Universal Music (Beitragsbild: Welshly Arms by Peter Larson).

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