Low: Ones And Sixes – Album Review

Low: Ones And Sixes – Album Review

Unergründliche, in Schönheit schwelgende Indie-Songs des Trios aus Duluth

von Gérard Otremba

Gitarre, Schlagzeug, Bass und manchmal kleine Keyboardspielereien, das war’s. Und das alles ganz, ganz langsam. Das Trio Low aus Duluth, Minnesota (ja, genau das Duluth, das berühmte Bob Dylan-Duluth) ist ein Meister der Entschleunigung. Seit über zwanzig Jahren basteln Alan Sparhawk und sein Frau Mimi Parker mit immer wieder wechselnden Bassisten, seit 2008 ist Steve Garrington dabei, an ihren Klanglandschaften und sind sogar für Indie-Verhältnisse noch immer richtig Indie. Die Songs des neuen Albums Ones And Sixes umgibt häufig eine Aura der Schwere und Bedrücktheit, so dass teilweise eine gespenstische und bedrohliche Atmosphäre evoziert wird. Das gilt besonders für die Eingangssongs „Gentle“, „No Comprendre“, „Spanish Translation“ und „Congregation“ sowie später für den Dark-Rock des fast zehn-minütigen „Landslide“, in dem passagenweise mächtige Gitarren-Gewitter auf uns herniederprasseln.

Dem wirkt natürlich wieder das Sakral-Bedächtige entgegen, das die Hörer in eine Stimmung der Ergriffenheit versetzt. Low machen erhabene Musik und finden immer wieder verschlungene Wege zum Wahren, Guten und Schönen. „No End“ zum Beispiel ist feinster, melodieseliger Gitarren-Indie-Pop, für Low-Verhältnisse badet dieser Song geradezu in Harmonie. Ähnlich ergeht es „What Part Of Me“, ein gar liebliches, verträumtes und überaus romantisches Duett zwischen Sparhawk und Parker. Beim von Mimi Parker gesungenen „Into You“ bleibt die Zeit stehen, ein langsamer und bezirzender Indie-Gospel-Folksong. „Kid In The Corner“ hat schon fast etwas Wilcohaftes aus deren frühen Nullerjahren, Parkers und Sparhawks transzendentale Gesänge jagen einem wohlige Schauer über die Haut, welch eine Spannung, welch ein Gefühl! Während „The Innocents“ das Unergründliche mit Anmut verbindet, assoziiert „Lies“ Schwermut, gepaart mit spielerischem Indie-Pop. Das abschließende „DJ“ nimmt den sinisteren Faden diverser Songs auf und vollendet das in vielen Momenten überwältigende Ones And Sixes.

„Ones And Sixes“ von Low ist am 11.09.2015 bei Sub Pop Records / Cargo Records erschienen.

Low - Lies (not the video)

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