Kein „Penny“-Hit mehr, aber viele entdeckungswürdige Songs
von Gérard Otremba
Was Moonlight, dem dritten Album von Hanni El Khatib fehlt, ist der Aufsehen erregende, catchy Ohrwurm-Hit. Den hatte der in San Francisco aufgewachsene, in der Zwischenzeit in Los Angeles lebende Musiker palästinensischer und philippinischer Abstammung auf seinem 2013 erschienenen Longplayer Head In The Dirt mit dem Song „Penny“, der einen sofort ansprang und nicht mehr losließ. Dem am nächsten kommt auf Moonlight der Titel- und Eröffnungssong, der sich jedoch mit einem an die Doors mahnenden, dunklen Soul-Blues anschleicht und nicht die sofortige Euphorie von „Penny“ verströmt, aber dennoch begeistert. Mit fetten Garagen-Rock-Riffs wartet anschließend „Melt Me“ auf, als ob sich die Black Keys, der frühe Lenny Kravitz und die Rolling Stones für eine Session zusammengefunden hätten, abgefahrener Alternative-Rock. Zwischen Blues- und Glam-Rock changiert „The Teeth“, Marc Bolan meets Ozzy Osbourne, während „Chasin‘“ mehr oder weniger unentschlossen wirkt.
„Worship Song (No. 2)“ hingegen stolpert dunkel, undurchdringlich und experimentell zwischen Tom Waits-Piano und Gniedel-Knarz-Gitarre. Als balladesker Soul-Pop öffnet sich „Mexico“ und steigert sich in einen orgiastischen Bombastrock. Geerdeten Garagen-Riff-Rock mit Pop-Appeal bietet uns Hanni El Khatib mit „Servant“ und mächtigen Power-Rock mit „All Black“. Gitarren im Anschlag, peitschendes Schlagzeug, damit erfindet Khatib den Rock nicht neu, aber das muss er gar nicht, das macht auch so Laune. In „Home“ kehrt wieder mehr Pop in die gitarrenbetonten Kompositionen und „Dance Hall“ umgarnt den Hörer wie der Soundtrack eines David Lynch-Films. Für das abschließende „Two Brothers“ wendet sich Hanni El Khatib dem Rock völlig ab und landet in der synthielastigen Italo-Disco. Moonlight kommt also ohne den offensichtlichen Hit daher, aber mit vielen entdeckungswürdigen Songs.
„Moonlight“ von Hanni El Khatib ist am 23.01.2015 bei Innovative Leisure / Rough Trade erschienen.
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Ich bin noch immer sehr begeistert vom ersten Album und fand mich auf dem zweiten gar nicht mehr wieder. Mal schauen, ob mir Moonlight zusagt. Vielen Dank für den Einblick, ich hatte gar nicht mitbekommen, dass bereits ein weiteres Album in Arbeit war bzw. veröffentlicht wurde.
Das erste Album kenne ich noch gar nicht. Stieg mit dem zweiten ein und hatte „Penny“ wochenlang im Ohr.
Waaas??? Dann musst du es sofort hören…das würde mich jetzt schon brennend interessieren, wie es dir gefällt.
Einschätzung wird nachgereicht…
Super 🙂