Wolfgang Muthspiel: Where The River Goes

Wolfgang Muthspiel: Where The River Goes

Musik für die Nacht

Never change a winning team. Nach diesem Motto trommelte der österreichische Gitarrist Wolfgang Muthspiel für sein neues Album erneut Pianist Brad Mehldau, Trompeter Ambrose Akinmusire und Bassist Larry Grenadier zusammen, mit denen er 2016 bereits das hochgelobte „Rising Grace“ eingespielt hat. Nur an den Drums gab es einen Besetzungswechsel: Statt Brian Blade gibt nun Eric Harland den Takt an. Harland hatte in der Vergangenheit bereits mit Größen wie McCoy Tyner, Dave Holland und Charles Lloyd zusammengearbeitet.

Die Liebe zur Melodie

Wolfgang Muthspiel Where The River Goes Cover ECM RecordsNicht nur das Personal blieb überwiegend erhalten. Auch in ihrer musikalischen Ausrichtung bleibt sich das Quintett treu. Die acht Stücke von „Where The River Goes“ haben einen meditativen Charakter. Es geht mehr um Stimmungen und Atmosphäre, die überwiegend ernsthaft, oft gar sentimental ist. Ein Soundtrack für die Stunden nach Sonnenuntergang, als Begleitung für Gedanken über Wesentliches. Das Tempo ist gedrosselt. Wolfgang Muthspiel, der bis auf „Clearing“ und „Blueshead“ alle Stücke komponiert hat, liebt Melodien, die er im Austausch mit seinen Mitspielern ständig erweitert und verändert. Seine Akkordfolgen sind überraschend und halten die Aufmerksamkeit des Hörers so durchgängig hoch.

Wolfgang Muthspiel hält die Fäden in der Hand

Aus einem durchweg starken Album stechen das als Opener gesetzte Titelstück sowie das eingängige „Clearing“ und das entrückte „One Day My Prince Was Gone“ positiv heraus. Gerade in letzterem Song kann man wunderbar nachhören, wie diese Formation arbeitet. Während zu Beginn jeder Musiker sich mit eigener Idee auf die Gruppe zubewegt, führt Muthspiels Thema die Fäden anschließend zusammen. Der Moment, in dem sie in diesem Song zueinander finden, kann überwältigen. „Where The River Goes“ ist ambitioniert und überwiegend seriös. Aber Muthspiel & Co. beweisen immer wieder auch Humor. Spaß macht, dass hier ein Kollektiv musiziert, das zwar stets die Komposition im Blick behält, aber Musik in erster Linie „spielt“. Natürlich gibt es auch reichlich starke Soli zu bestaunen. Akinmusire trumpft vor allem in „For Django“ auf, Mehldau in „Clearing“ und „der Neue“, Eric Harland, hat seinen großen Auftritt in „Blueshead“. So ist „Where The River Goes“ erneut ein hochklassiges Album geworden, das – ähnlich wie sein Vorgänger – seine Stärken direkt zu erkennen gibt.

„Where The River Goes“ von Wolfgang Muthspiel ist am 12.10.2018 bei ECM Records erschienen (Beitragsbild: Albumcover).

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