Wardruna: Kvitravn – Albumreview

Wardruna: Kvitravn – Albumreview

Eine abwechslungsreiche und spannende Reise in den nordischen Folk mit Wardruna

Wardruna sind ein Phänomen. Das musikalische Kind des ehemaligen Gorgoroth-Drummers Einar ‚Kvitrafn‘ Selvik, also des Ex-Schlagzeugers einer der wegweisendsten, norwegischen Black Metal-Formationen, musiziert ausschließlich mit traditionellen, nordischen Instrumenten (die oft selbst hergestellt werden mussten) nordischen Folk; wiederholt jedoch nicht altbackene Klänge um eine wie auch immer geartete Authentizität vorzugaukeln, sondern erschafft dabei ungehört Neues. „Uns interessiert viel mehr, bestimmte Techniken aus vergangener Zeit anzuwenden und weniger, bereits Vorhandenes zu reproduzieren“ führt er im Gespräch mit dem Legacy aus (1/2021).

Ein Alleinstellungsmerkmal für Wardruna

Wardruna Kvitravn Cover Columbia Records

Fast schon ein Alleinstellungsmerkmal, vergleicht man Wardruna mit den zahllosen Retrokapellen oder gar mit den Metalmusikern, die ihre Brachialität mit Folkeinflüssigen schunkelbarer machen. Dass Wardruna nach bisher vier Studioalben auf kleinen Insiderlabels nun bei Sony Music gelandet sind, hat auch was mit dem Popularitätsschub zu tun, den Selviks Projekt durch seine Vertonung des aktuellen Assassin’s Greed Spiels „Valhalla“ – vor allem jedoch durch sein Mitspiel und sein Score zu der Serie „Vikings“ erfahren hat. Höhere museale Weihen hat sich Selvik darüber hinaus längst verdient mit einem Auftragswerk zum 200sten Jubiläum der norwegischen Verfassung, das er zusammen mit Ivar Bjørnson von den Prog-Black-Metallern Enslaved komponierte.

Diverse Gäste sind auf „Kvitravn“ zu hören

Textlich beackert Selvik das Gebiet der „alten norwegischen Poesie“ in eben dieser Sprache und frönt dabei dem Animismus, sprich der „spirituell-religiösen Vorstellung einer Allbeseeltheit“ (Wikipedia). Musikalisch untermalt ist dies einmal mehr auf eine faszinierende Weise, die den Freunden der Klänge von Dead Can Dance ebenso zusagen sollte wie denen von atmosphärischen Soundtracks sowie indigenem Folk. Diverse Gäste helfen Selvik dabei – neben der wiederholten Mitwirkung von Lindy-Fay Hella (die mit ihrer zauberhaften Stimme bereits Einspielungen mit Röyksopp, My Dying Bride oder Leaves‘ Eyes auf dem Konto hat) sind noch die Folk-Ikone Kirsten Bråten Berg, Ingebjørg Lognvik Reinholdt sowie einige Multiinstrumentalisten zu hören, die Klangkörper bearbeiten wie Ziegenhorn, Tagelharpa und diverse mehr.

Ein kompositorischer Fluss

Abwechslungsreich und spannend schickt einen „ Kvitravn“ auf eine Reise, die man nach Beendigung gleich wieder antreten möchte. Einzelne Anspieltipps herauszuheben würde dem kompositorischen Fluss nicht gerecht werden – höchstens „Andevarljod“ am Ende (mit über 10 Minuten Spielzeit das längste Stück des Albums) gibt mit seinem cinematischen wie dynamischen Aufbau auch solitär einen Eindruck vom hier besprochenen Gesamtwerk.

In großer Besetzung planen Wardruna dieses Werk im Sommer live aufzuführen (2.5. Gelsenkirchen, 16.7. Dresden, 18.7. München), so die Seuche dies zulässt. Eine seltene Gelegenheit, die man nach Möglichkeit wahrnehmen sollte.

„Kvitravn“ von Wardruna erscheint am 22.01.2021 bei Columbia Records / Sony Music. (Beitragsbild von Arne Beck)

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