Travis: Where You Stand

Travis: Where You Stand

Neue himmlische Melodien von Travis

von Gérard Otremba

Ja, sie schwelgen wieder in süchtigmachenden Melodien. Nach fünf Jahren Pause ist die schottische Formation Travis wieder zurück. Mit Where You Stand knüpfen Fran Healy, Dougie Payne, Andy Dunlop und Neil Primrose an ihre beiden Erfolgsalben The Man Who und The Invisible Band an. Auf diesen Platten befinden sich mit „Why Does It Always Rain On Me“, „Turn“, „Sing“ und „Side“ die bekanntesten Songs von Travis. Diese beiden Alben waren ein perfekter Rahmen für die Jahrtausendwende, zwei Nummer Eins-Alben im UK, diverse Singles-Erfolge und BRIT-Awards sowie über acht Millionen verkaufte Tonträger sprechen für Travis, obwohl es mit den drei nachfolgenden Alben 12 Memories, The Boy With No Name und Ode To J. Smith um Travis immer ruhiger wurde, sie drohten gar in der Versenkung zu verschwinden. Vielleicht kam die Auszeit zum richtigen Zeitpunkt, denn auf ihrem siebten Studioalbum glänzen Travis wieder mit anmutigen Melodien voller Lieblichkeit. Der zärtliche Beginn im Opener „Mother“, Fran Healys Stimme barmt, die Band sprüht vor Harmonie, der Pianolauf setzt den traurigen Kontrapunkt, die große Gefühlsklaviatur von Travis nimmt ihren Anfang. „Morning“ erhebt sich mit großem Pathos in die Sphären von „Turn“, während „Reminder“ mit einem süßen Pfeifen beginnt und auf verträumter Ebene seine Fortsetzung findet. Der Titelsong „Where You Stand“ ist an Schönklang kaum zu überbieten, es ist die Warmherzigkeit der Songs, die Travis zu einer solch liebenswerten Band macht. So wundert es nicht, dass „Boxes“ in romantische Wehmut getaucht ist und „A Different Room“ zu einer schwärmerischen Hymne gerät. Aus dem Gitarrenpop-Rhythmus scheren sie lediglich für „New Stories“ aus, das mit Portishead-Beats-Anleihen aufwartet. In ihrem Element sind die vier aus Glasgow stammenden Musiker dann wieder bei „On My Wall“, das den schönsten Sixties-Pop aus Swinging London evoziert. Vergleichsweise dunkel, teilweise bedrohlich erklingt „Warning Signs“ und „Another Guy“ setzt auf einen pulsierenden Bass. Mit der Piano-Ballade „The Big Screen“ endet der schöne Songreigen von Where You Stand. Travis sind wiederauferstanden und bereichern die Popharmonien.

Where You Stand von Travis ist am 16.08.2013 bei Red Telephone Box / Rough Trade erschienen.

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