Nik Bärtsch: Entendre – Albumreview

Nik Bärtsch: Entendre – Albumreview

Ein eindrucksvolles Solo-Album des Schweizer Pianistin und Komponisten Nik Bärtsch

Wie man als Pianist Spannung erzeugt und die Hörer fesselt, weiß Nik Bärtsch zur allzu genau. Ob solo, mit dem Ensembles Ronin oder mit Mobile: Der Schweizer langweilt nie und geht seit jeher seinen eigenen Weg. Das beweist er auch auf „Entendre“, seinem ersten Solo-Output nach fast 20 Jahren. Die insgesamt sechs wie gewohnt durchnummerierten Kompositionen mit einer Dauer zwischen knapp fünf und 14 Minuten sind ein eindrucksvolles Zeugnis für die Kreativität des 50-Jährigen.

Nik Bärtsch und die Metaebene

Nik Bärtsch Entendre Cover ECM Records

Schon im Opener „Modul 85_12“ baut er Spannungsbögen auf, variiert Dichte und Dynamik und wechselt die Atmosphären, dass jede Note wie die wichtigste klingt. Dabei gelingt es ihm, den Charakter exakt in der Mitte zwischen Komposition und Improvisation zu verorten, also genau dort, wo die Spannung am höchsten liegt. Bärtsch hat etwas mitzuteilen. Stets schwebt über und unter dem Gespielten eine Meta- und Subebene. Dieses Erzählerische zeichnet das gesamte Album aus.

Nur Momentaufnahmen

Dem düster-sperrigen „Modul 55“ lässt er das funkelnde „Modul 26“ folgen, in dem über die immer gleichen drei Töne tänzelnde Melodiebögen fliegen: Eine hypnotische Entkoppelung, in die Bärtsch tief eintaucht. Der Flow steht im Mittelpunkt. „Es ging bei diesen Aufnahmen nicht darum zu zeigen, dass ich Klavier spielen kann“, sagt Bärtsch. Daher präsentiert Bärtsch hier ausnahmslos First Takes. Momentaufnahmen. Ein weiterer Grund für die Kraft dieser Stücke.

Reine Intuition

Bärtsch manövriert seinen Flügel in tiefe Grooves und prägnante Melodien. Nie aber in eine Sackgasse. Die Wendungen, die die Stücke nehmen, sind kreativ und überraschend und folgen der Intuition. Mal sind es Rhythmuswechel, mal Chord-Changes, mal Spielpausen, die den Ausweg bilden. In „Modul 5“ kann man diese Technik besonders anschaulich bestaunen. Am Ende dieser Platte steht die einzige Komposition mit Titel: „Déja-Vu, Vienna“ ist der vordergründig schlichte Abschluss, birgt bei genauerer Betrachtung aber Falltüren und Fenster, die auf eine Fortsetzung hindeuten. Gut möglich also, dass Bärtsch nochmal nachlegt. Zu wünschen wäre es.

„Entendre“ von Nik Bärtsch erscheint am 19.03.2021 bei ECM Records. (Beitragsbild: Albumcover)

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