Native Harrow: Closeness – Albumreview

Native Harrow: Closeness – Albumreview

Das amerikanische Duo Native Harrow ergänzt seinen Folk-Rock um neue Sounds und befindet sich mit „Closeness“ auf dem bisherigen Höhepunkt seiner Kunst

Bereits mit ihrem dritten, auch bei Sounds & Books rezensierten Album „Happier Now“ begeisterten Native Harrow die Kritik und fanden sich prompt und völlig verdient in den Jahrescharts unseres Online-Magazins. Lediglich ein Jahr später melden sich Sängerin und Gitarristin Devin Tuel sowie Multiinstrumentalist Stephen Harms mit „Closeness“ zurück. Ein Platz in der Jahresendabrechnung sollte dem amerikanischen Duo wieder gewiss sein, gehen Native Harrow doch auf ihrem vierten Longplayer noch mutiger zu Werke und fügen ihrem traumhaft schönen Folk-Rock einige neue Sounds hinzu. Im Mittelpunkt steht nach wie vor Devin Tuels anmutige Stimme, die alle Songs mit einer erhabenen Sicherheit trägt.

Native Harrow und die Joni-Mitchell-Referenz

Native Harrow Closeness Cover Loose Music

Zehn neue Tracks sind auf „Closeness“ versammelt und dass Tuel und Harms ihren liebreizenden, Laurel-Canyon-geprägten Folk mehr Vorwärtsdrang einimpfen, haben sie beim von uns als Song des Tages vorgestellten Vorabtrack „Shake“ bewiesen. Der Song beginnt mit einer aufgekratzten Fuzz-Gitarre, bevor Tuel in den Strophen aufs Herrlichste ihrem zauberhaften Gesang nachgehen darf, der Track im Chorus aber wieder an Drive gewinnt. Die eindeutige Joni-Mitchell-Referenz heißt auf diesem Album „The Dying Of Ages“, das mit Flötenklängen und viel Groove erblüht. Dezenter der Native Harrow auszeichnende, liebreizend-traurige Folk des anschließende „Smoke Burns“, während  „Same Every Day“ durch seine Polyrhythmik und den Einsatz eins Moog-Synthesizers überrascht.

Zahlreiche Albumhighlights

Häufig wird der Nostalgie-Begriff im negativ interpretiert, bei Native Harrow erfährt er eindeutig positive Wendung. Natürlich klingt die Musik immer noch wie vor fünfzig Jahren, aber wer sich so großartig an der Beatles-Orgel von „Let It Be“ orientiert wie die Band beim souligen „Carry On“, der ist über jedem negativen Nostalgie-Verdacht erhaben. Der macht einfach nur superbe Musik. Tuel und Harms glänzen mit jedem weiteren Track neu. Im Rock-Groove von „If I Could“, mit der jazzangehauchten und wehmütigen Ballade „Turn Turn“ und dem countryesken Folk-Pop-Rock bei „Even Peace“. Devin Tuel singt diesen hippiesken Song wie Joan Baez, und solange Friedensbotschaften wie diese gesungen werden, ist die Welt noch nicht verloren. Der pianobetonte Songwriter-Pop von „Feeling Blue“ erinnert an Carole King und das majestätisch-getragene „Sun Queen“ beendet dieses überragende Album. Native Harrow auf dem bisherigen Höhepunkt ihrer Kunst.

„Closeness“ von Native Harrow erscheint am 18.09.2020 bei Loose Music / Rough Trade. (Beitragsbild: Albumcover)     

Unterstützen Sie Sounds & Books

Auch hinter einem Online-Magazin steckt journalistische Arbeit. Diese bieten wir bei Sounds & Books nach wie vor kostenfrei an.
Um den Zustand zukünftig ebenfalls gewährleisten zu können, bitten wir unsere Leserinnen und Leser um finanzielle Unterstützung.

Wenn Sie unsere Artikel gerne lesen, würden wir uns über einen regelmäßigen Beitrag sehr freuen.

Spenden Sie direkt über PayPal oder via Überweisung.

Herzlichen Dank!

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Kommentar schreiben