Mumford And Sons: Delta – Albumreview

Mumford And Sons: Delta – Albumreview

Mumford And Sons verlieren sich in Belanglosigkeiten

Das Mumford & Sons-Debütalbum Sigh No More verkörperte noch das urige Straßenköterimage des Folk-Rock und begeisterte mit Songs wie „The Cave“, „Roll Away Your Stone“, „Winter Winds“, „Awake My Soul“ und natürlich „Little Lion Man“. Entfesselte Banjos und akustische Gitarren sowie eine Bassdrum, viel mehr war für die Londoner nicht nötig, um ihren hymnischen Country-Folk-Rock massenkompatibel zu gestalten. 2012, drei Jahre nach Sigh No More, wiederholte die Band um Sänger Marcus Mumford die Erfolgsformel des Debüts mit Babel. Mumford sang noch inbrünstiger und salbungsvoller, die zwölf Lieder arrangierte man noch ausladender.

Mumford And Sons im Coldplay-Fahrwasser

Mumford And Sons Delta Cover Island RecordsWeitere drei Jahre später war von der Banjo-Herrlichkeit nicht mehr viel übrig. Auf Wilder Mind fanden sich Mumford And Sons im Breitwand-Rock-Pop wieder. Pathetisch blieben ihre Songs, erschallten indes nun wesentlich glattgebügelter. Auf ihrem Weg zur Stadionkompatibilität ist das Quartett nun bei Delta angekommen. Das vierte, von Paul Epworth (Adele, Florence And The Machine) produzierte und in den Londoner The Church Studios aufgenommene Album überspannt den Bogen jedoch und findet sich im Fahrwasser von Coldplay wieder. Mumford And Sons wollen sich auf Delta inniger und intimer zeigen, kommen aber zumeist über Belanglosigkeiten nicht hinaus.

Leider enttäuscht „Delta“

Die ruhigen Passagen plätschern vor sich hin (einzig „Oktober Skies“ und „Wild Heart“ vermitteln Intimität), die lauteren ertrinken in Opulenz („42“, „Delta“, „If I Say“, „Slip Away“, „Beloved“). Dort, wo andere ihre Kompositionen mit Streichern veredeln, finden Mumford & Sons lediglich einen dramatischen Überbau („The Wild“). Mit „Guiding Light“ kann man sich noch anfreunden, doch behandelt Marcus Mumford dieses Leitmotiv bereits im Opener „42“. Und wenn er in „If I Say“ zum wiederholten Mal „If I say I love, then I love you“ singt, mag auch der letzte Romantiker nicht mehr wirklich hinhören. Der Band ist der Charme der frühen Jahre abhandengekommen, das Songwriting wirkt mittlerweile gekünstelt und zu gewollt. Eine leider enttäuschende und zu lang geratene Platte.

„Delta“ von Mumford & Sons erscheint am 16.11.2018 bei Island Records / Gentlemen Of The Road / Universal Music.

Kommentare

  • Christian

    Belanglos wurden M&S mit Wilder Mind! Das neue Album ist wenigsten eine radikale Neuerfindung, anstatt einen auf Indierocker zu machen.

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