Big Thief: Two Hands – Albumreview

Big Thief: Two Hands – Albumreview

Das nächste Wunderwerk der Indie-Folk-Rock-Band Big Thief

Erst im Mai erschien mit „U.F.O.F.“ das dritte, auch bei Sounds & Books rezensierte Big-Thief-Studioalbum und schon lässt das Quartett „Two Hands“ folgen. Nachdem die Indie-Folk-Rock-Band aus Brooklyn den Vorgänger in einer Hütte in den Wäldern nahe Seattles aufgenommen hatte, zog es sie direkt weiter in den trockenen texanischen Süden, um mit der Arbeit am nächsten beeindruckenden Werk ihrer noch so jungen Karriere zu beginnen. „Two Hands“ ist das vierte Album in nur drei Jahren, doch Zeit für ein Soloalbum von Sängerin und Songwriterin Adrianne Lenker gab es ebenfalls noch.

Big Thief und die Schönheit ihrer Songs

Big Thief Two Hands Cover 4AD

Genauso wie „U.F.O.F.“  entpuppt sich „Two Hands“ als ein genuines Wunderwerk. Schwebten die „U.F.O.F“-Songs noch anmutig, fragil, entrückt und kosmisch durch Raum und Zeit, klingen Big Thief nun wieder wesentlich geerdeter. An ihrem Konzept der  Schönheit hält die Band indes fest, möge sie nun nicht immer so offensichtlich ausgefallen sein. Einige dieser Songs haben Big Thief bereits bei Konzerten gespielt und gießen sie nun in die endgültige Studiofassung. Behutsam, einem verträumten Schlaflied gleich, beginnt das Album mit dem kurzen „Rock And Sing“, bevor das Tempo mit „Forgotten Eyes“ anzieht und Adrianne Lenker die Sprache der Liebe beschwört. Lenker singt im Verlauf des Albums verletzlich, aufbrausend, kindlich, unbefangen, barmend, betörend, wütend, nachdenklich und intim.

Ein Album voller Highlights

Gemeinsam mit den Kollegen Buck Meek (Gitarre), Max Oleartchik (Bass) und James Krivchenia (Schlagzeug) erschuf sie für „Two Hands“ eine monolithische Songkathedrale, nämlich das flirrende, bei Sounds & Books vorgestellte „Not“, das sich tranceartig hochschaukelt und in einem wüsten Sturm aus Gitarre, Schlagzeug und Bass endet. Als ob Neil Young und Crazy Horse wieder den Weg in die Garage gefunden hätten und kräftig lospolterten. Ein Album voller Highlights. Das träge, bei Sonnenaufgang vor sich hindämmernde „The Toy“, das schlaftrunkene „Those Girls“, das leidenschaftlich-klagende „Shoulders“, das sinnlich-verspielte „Wolf“, oder das innige, an Bonnie „Prince“ Billy erinnernde „Replace“. Man muss sich langsam an das geniale Songwriting-Niveau von Big Thief gewöhnen. Mögen sie weiterhin auf diesem hohen Level musizieren. Wir sind zu Dank verpflichtet.

„Two Hands“ von Big Thief erscheint am 11.10.2019 bei 4AD / Beggars (Beitragsbild von Dustin Condren).    

Kommentar schreiben

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.