The Felice Brothers: Undress – Albumreview

The Felice Brothers: Undress – Albumreview

The Felice Brothers verbessern die Welt

Die Platte beginnt mit der Aufforderung, sich nackt zu machen. Republikaner wie Demokraten, Banker wie Juristen, Kapitalisten wie Anarchisten: Alle sollen die Hosen runter lassen. Und endlich mal ehrlich und aufrichtig sein. Der titelgebende Opener endet mit der Frage „When will we find the light of day?“ Man kann dies als Leitfrage für das gesamte Album lesen: Die Felice Brothers – diese aus der Zeit gefallenen Traditionalisten, Hobos und Outlaws – beschreiben das Leben im Fake-News-Zeitalter, angetrieben durch Wut, Angst, Zynismus und einer Trotzigkeit, die ihnen gut tut. Denn „Undress“ ist randvoll mit Ideen und Experimentierfreude.

The Felice Brothers sind inspiriert wie lange nicht

The Felice Brothers Undress Cover Yep Roc

Das sind gute Neuigkeiten. Denn zuletzt stand diese Band auf der Kippe. Nachdem die Langzeitkomplizen Christmas Clapton und Greg Farley ausstiegen, blieben nur noch Ian und James Felice übrig. In Will Lawrence und Jesske Hume haben sie nicht nur Ersatz gefunden, sondern offensichtlich auch neue Inspiration. Denn nach dem Opener geht es hochkarätig weiter. Das düstere „Holy Weight Champion“, das schunkelnde „Special Announcement“ und das rührende „Nail It On The First Try“ folgen in einem Block und zeigen die ganze Palette dieser Band. Hier spielt eine Band, die sich reich speist aus den Arbeiten von Woody Guthrie, Bob Dylan, The Band und Bruce Springsteen. Die mal ganz heiß gehandelt wurde, aber nie auf Fame gesetzt hat, sondern stattdessen der eigenen Stimme gefolgt ist.

Musik für butterweiche Herzen

Das ist so schutzlos und gleichzeitig mitreißend, dass einem das Herz butterweich wird. Besonders toll sind die Uptempo-Nummer „Salvation Army Girl“ sowie das hymnische „TV Mama“ und das von Ian Felice nonchalant vorgetragene „Days Of The Years“. Die Felice Brothers schreiben Songs, die nach Scheune, nach Selbstgebranntem, nach ausgetragenen Schuhen, nach knurrenden Mägen, nach bewölkten Tagen, nach Mottenlöchern klingen. Ungeschminkt, pur und grundehrlich. Und wenn der letzte Song dieser Platte, dieses großartige „Socrates“, nicht die Welt verbessern kann, was dann? Die Felice Brothers sind zurück. Noch ist nichts verloren.

„Undress“ von The Felice Brothers ist am 03.05.2019 bei Yep Roc / H’Art erschienen (Beitragsbild: Albumcover).

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