Stella Sommer: 13 Kinds Of Happiness – Album Review

Stella Sommer: 13 Kinds Of Happiness – Album Review

Die Heiterkeit-Sängerin Stella Sommer und die Schwermut

Wer die Musik der Hamburger Indie-Pop-Band Die Heiterkeit kennt, weiß, dass überschwängliche Fröhlichkeit nicht die Sache des Quartetts ist. Viel zu ernst wirkt die würdevolle Stimme von Sängerin und Gitarristin Stella Sommer, die Songs machen natürlich trotzdem Spaß und das letzte, auch von Sounds & Books gefeierte Album Pop & Tod I+II gehört zweifellos zu den Highlights der deutschen Popkultur der letzten Jahre. Nun also 13 Kinds Of Happiness, das erste Soloalbum von Stella Sommer, das mit Hilfe ihrer Heiterkeit-Begleiter Hanitra Wagner und Philip Wulf sowie Pola Lisa Schulten (Zucker), Dirk von Lowtzow (Tocotronic) und Pogo McCartney (Messer) entstand.

Zwischen Nico und Leonard Cohen

Stella Sommer Cover Affairs Of The HeartDreizehn Songs über Glück, das bei Stella Sommer häufig (oder eigentlich immer) sehr nach Einsamkeit klingt. Die Atmosphäre des Albums evoziert Marlene Dietrich, Lauren Bacall, Hildegard Knef, Nico sowie Lana Del Rey und ist mithin eine düstere und unterkühlte. Mit dem sehnsüchtigen, von einem Piano in Szene gesetzten „Light Winds“ möchte man sich sofort allein in die abgedunkelte Lieblingszimmerecke verkriechen, denn Stella Sommer spendet halt auch immer Trost. Während „We Love You To Death“ noch in einer feierlichen Leonard Cohen-Stimmung vibriert, gibt sich Sommer samt Backgroundchor und Handclapping einem edlen Indie-Pop mit „Do You Still Love Me?“ hin. Eine quietschfidele Orgel und ein treibender Rhythmus bringen „Dark Princess, Dark Prince“ in Wallung, doch der kurzfristige Ausflug in rockige Gefilde wird jäh mit „Birds Of The Night“ beendet, wo Sommer mit Dirk von Lowtzow in vollendeter Schönheit um die Wette barmt.

Willkommene Abkühlung, oder der Soundtrack für den kommenden Winter

Diese dunkelgefärbten Lieder, bis auf das abschließende „Hierhin kommt der Teufel“ alle in englischer Sprache getextet, liegen Stella Sommer natürlich auch, das ist ihr Wohnzimmer. Die können dann fast liebreizend klingen („A Certain Glow“), mal fast poppig („For A Loner“) und mal gespenstisch („Boat On My River“). Von Schwermut begleitet werden sie alle, auch das erlesene „Collapse/Collapsing“. Man kann die Songs als kühlende Abwechslung zu den warmen Temperaturen hören. Oder man freut sich auf den nächsten Winter, dann wirken sie wahrscheinlich noch besser. Und ein neues Album von Die Heiterkeit ist in Vorbereitung. Bald also ein doppeltes Stella Sommer-Vergnügen.

„13 Kinds Of Happiness“ von Stella Sommer erscheint am 10.08.2018 bei Affairs Of The Heart / Indigo (Beitragsbild: Stella Sommer by Maunel Gehrke).

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