Die Heiterkeit: Pop & Tod I+II – Album Review

Die Heiterkeit: Pop & Tod I+II – Album Review

Der große Wurf von Stella Sommer und ihrer Band Die Heiterkeit

von Gérard Otremba

Allein der Titel des neuen Albums der Hamburger Band Die Heiterkeit, Pop & Tod I+II, liest sich wie Krieg und Frieden. Und ähnlich wie Tolstois Monumentalwerk ist auch Pop & Tod I+II die bis dato opulenteste Veröffentlichung von Die Heiterkeit. Es hat sich viel getan in den letzten sechs Jahren, seit der Gründung von Die Heiterkeit im Jahre 2010. Allein Sängerin, Gitarristin und Texterin Stella Sommer ist als einziges Gründungsmitglied noch dabei, zur aktuellen Besetzung gehören Hanitra Wagner am Bass, Sonja Deffner an den Tasteninstrumenten und Philipp Wulf am Schlagzeug.

Es ist also weiterhin alles neu und aufregend bei Die Heiterkeit, doch vom immer mal wieder an die Lassie Singers erinnernden Schrammel-Indie-Pop des ersten Albums Herz aus Gold sind lediglich noch Spurenelemente vorhanden. Bereits die zweite Platte Monterey war ein Mehr an Lakonie und Elegie, das Doppel-Album Pop & Tod I+II toppt den Ausbund an Melancholie, die von Stella Sommers getragener und erhabener Stimme perfekt eingefangen wird. „Da wo ich wohne ist es immer kalt, kalt, kalt / Hier kommt die Kälte“ singt Sommer mit ihrer sonoren Grabesstimme im Eröffnungssong „Die Kälte“, lediglich von Klavier, Synthesizer und Backing Vocals begleitet, ein schauriger Gänsehautmoment gewiss, doch Kälte mag sich bei hören des Albums ganz und gar nicht einstellen, leben die Songs doch von schönsten Melodien, fein austarierten Harmonien und zarten bis überschwänglichen Chorgesängen.

20 Lieder sind insgesamt auf Pop & Tod I+II versammelt, zu den munteren und schnuffigen Indie-Pop-Songs gehören „Im Zwiespalt“, der Titeltrack „Pop & Tod“, „Große Namen“, „Weiße Elster“, „Dünnes Eis“, „Halt mich zurück“ (fast schon mit NDW-Anklang) und  das gruftige und stürmische, mit über sechs Minuten längste Lied der Platte, „Komm mich besuchen“. Des Weiteren weiß Stella Sommer über „Ein gutes Buch“ zu berichten, erzählt von dem „Genie bei der Arbeit“ und nun wissen wir auch, woher „Schlechte Vibes im Universum“ kommen. Es ist eine wärmende und den Hörer umarmende Melancholie und Lakonie, die die Atmosphäre der Songs ausmacht. Das muss Liebe sein.

Mit Pop & Tod I+II wirft Stella Sommer alles in Waagschale und gewinnt. „Wenn es soweit ist, werden wir es wissen / Es kommt immer anderes als gedacht / Es wird in Ordnung sein“ lautet der vom Damenchor Mantra-artig vorgetragene und irgendwie auch überaus tröstende Text von „The End“. Vielleicht ist es anders gekommen als gedacht bei Die Heiterkeit, das neue Album Pop & Tod I+II ist auf jeden Fall in Ordnung, schwer in Ordnung sogar. Ein funkelnder Diamant im deutschsprachigen Pop des Jahres 2016, ein großer Wurf eben.

„Pop & Tod I+II“ von Die Heiterkeit erscheint am 03.06.2016 bei Buback / Indigo.

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