Madsen: Lichtjahre – Albumreview

Madsen: Lichtjahre – Albumreview

Mal wieder viel Pathos-Indie-Rock für die Massen von Madsen

„Wie wollten nie erwachsen sein“, singt Sebastian Madsen im Song „Sommerferien“, und irgendwie ist er das auch nie wirklich geworden. Erwachsen. Das ist als Rocksänger auch völlig in Ordnung, schließlich dient der Rock’n’Roll zur Erhaltung der ewigen Jugend, oder gaukelt es uns zumindest vor. Mit seinen Brüdern Johannes (Gitarre, Backing Vocals), der mit Sebastian an Max Richard Leßmanns Platte Liebe in Zeiten der Follower beteiligt war, und Sascha (Schlagzeug, Backing Vocals) sowie Niko Maurer am Bass hat Sebastian Madsen mit Lichtjahre das siebte Bandalbum seit dem selbstbetitelten Debüt aus dem Jahre 2005 eingespielt.

Madsen Lichtjahre Albumcover Arising EmpireDas Quartett aus dem Wendland hat es sich längst in den deutschen Top-Ten der Albumcharts gemütlich gemacht und auch Lichtjahre sollte eine sichere Bank für vordere Platzierungen werden. Mit dem neuen Material treten sie im Sommer beim Southside und Hurricane-, später auch beim Highfield-Festival auf, Open-Air-Veranstaltungen, die wie geschaffen sind für Madsen und ihren Pathos-Indie-Rock. Das Herz der Jugend treffen Madsen auch vierzehn Jahre nach ihrer Gründung und laut schmettern kann diese gleich den Text des Openers „Wenn es einfach passiert“, dessen Chorus eine Einladung zum Mitgrölen für die Fans darstellt. Ein Elfmeter ohne Torhüter. Ähnliches gilt natürlich für das bombastische, bei Sounds & Books als Song des Tages vorgestellte Heavy-Punk-Rock-Stück „Rückenwind“.

Mag Sebastian Madsen mit seinen nunmehr fast 40 Jahren mitten im Leben stehen, doch der ganze Stress und Optimierungswahn des Erwachsenenlebens macht nicht glücklich, die Sehnsucht nach der unbeschwerten Jugendzeit bleibt („Sommerferien“). Eingängige Indie-Pop-Tracks („Mein erstes Lied“, „Lichtjahre“) Pop-Punk („Keiner“, „Athlet“), Disco-Rock („Ich tanze mit mir allein“) und Franz Ferdinand meets Bloc Party auf Deutsch („Ein paar Runden“) wechseln sich mit dem gewohnten Pathos ab („Kapitän“). Die zwei besten Songs von Lichtjahre stehen am Ende des Albums. Die völlig unpathetische und traurige Songwriter-Ballade „Wird sie mich sehen“ sowie das hochmelodiöse „Wo mal Wüste war“, bei dem das Pathos nicht ganz so opulent ausfällt. Madsen bewegen sich auf sicheren und gewohnten Pfaden. Das ist das, was sie können und was ihre Fans von ihnen erwarten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

„Lichtjahre“ von Madsen erscheint am 15.06.2018 bei Arising Empire / Warner Music (Beitragsbild: Madsen bei Dennis Dirksen).

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