Sebastian Janata: Die Ambassadorin – Roman

Sebastian Janata: Die Ambassadorin – Roman

Ja, Panik-Schlagzeuger Sebastian Janata lotet den Dorfroman neu aus

Seit 2006 spielt Sebastian Janata das Schlagzeug bei der österreichischen Indie-Rock-Band Ja, Panik, die spätestens seit der Veröffentlichung des Albums „DMD KIU LIDT“ von 2011 Kultstatus genießt. Mit seinen Bandkollegen schrieb er an dem 2016 im Verbrecher Verlag erschienenem Buch „Futur II“, bevor er sich an seinen ersten Roman wagte, den nun der Rowohlt Verlag unter dem Titel „Die Ambassadorin“ herausbringt. Der in Berlin lebende Sebastian Janata lotet in seinem Debüt den Dorf- und Heimatroman neu aus, in dem ein obskurer Frauengeheimbund im Hintergrund die Fäden zieht.

Hugo Navratil kehrt ins Neuburgenland zurück

Sebastian Janata Die Ambassadorin Cover Rowohlt Verlag

Der knapp 30-jährige Hugo Navratil reist zu der Beerdigung seines „Großvaters“ Beppo in seine österreichische Heimat im Nordburgenland. Der verstorbene „Großvater“ war eigentlich der Nachbar im Heimatdorf, der früher regelmäßig auf Hugo und seine elf Jahre älter Schwester Frida aufgepasst hat, während die Eltern arbeiten waren. Hugos Verbindung zu Beppo, der ihm vieles über die Jagd lernte, war ein große. Die zur Familie und Dorf eine eher reserviert-distanzierte, wie ihn die Heimkehr nach fast zehn Jahren wieder lehrt. Etwaige Verwandte Beppos waren ihm nie bekannt, nun tauchen zwei mysteriöse Frauen zur Beisetzung auf, die eben das zu sein vorgeben. Hugo befindet sich bereits wieder auf dem Weg zurück nach Berlin, als sein Vater versehentlich seine Mutter anschießt, die ins Krankenhaus eingeliefert werden muss. Nolens volens verlängert der Hauptprotagonist, aus dessen Sicht Sebastian Janata den in der Gegenwart spielenden Plot erzählt, seinen Aufenthalt.

Die beiden im Dorf fremden Frauen, die sich als im diplomatischen Dienst reisende Mutter und Tochter präsentieren, drängen Hugo mit Fragen nach dem Verbleib eines scheinbar wertvollen, in Beppos Besitz befindlichen und nun verschwundenen Gewehres. Hugo wird verstrickt in eine ihm völlig unbekannte Vergangenheit Beppos und seiner Familie, die Janata in Rückblenden einstreut und die bis nach Chicago reicht. Und welche Rolle spielt die seit kurzer Zeit wieder im Dorf lebende Gina Blum, die Hugo bei einem „Viertel-Liter-Glas Sturm“ in der Kneipe von Frau Kovacs kennenlernt, in der seltsamen Story?

Sebastian Janata punkten mit skurrilem Persnal

Sebastian Janata hat mit „Die Ambassadorin“ nicht nur eine moderne Variante des Dorf – und Gesellschaftsromans geschrieben, sondern mit einem klug konzipierten Spannungsaufbau auch eine vorzeigbare, geheimnisvolle Kriminalgeschichte. Zudem punktet Janata mit seinem teils skurrilen Personal, starken Charakterzeichnungen sowie mit trockenem, makabrem und leicht defätistischem Humor. Und ein wirklich genialer Coup gelingt ihm am Ende des Romans. Well done, Sebastian Janata.

Sebastian Janata: „Die Ambassadorin“, Rowohlt, Hardcover,  320 Seiten, 978-3-498-09203-0, 22 Euro. (Beitragsbild von Corinna Radakovits)  

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