Maita: Best Wishes – Albumreview

Maita: Best Wishes – Albumreview

Portlands neue Indie-Rock-Hoffnung heißt Maita

Manchmal will ja gut Ding Weile haben. Der alte Weisheitsspruch gilt auch für Maita. Bereits vor zwei Jahren stellten wir das von Songwriterin und Sängerin Maria Maita-Keppeler geleitete Indie-Rock-Projekt mit dem Song des Tages, „Japanese Waitress“, vor. Der damaligen, dem Folk sehr verbundenen Single ging die EP „Waterbearer“ voraus, die einer Lo-Fi-Rock-Ästhetik unterlag und das Talent der aus Portland, Oregon, stammenden Musikerin offenlegte. Zwei Jahre nach „Japanese Waitress“, das 2018 schon als erster Fingerzeig in Richtung Album angekündigt war, ist das Debüt fertig. „Best Wishes“ sollte ursprünglich Anfang April erscheinen, die allgegenwärtige Corona-Pandemie hatte eine Verschiebung der Veröffentlichung zur Folge. Das geheimnisvolle, teils spookige „Japanese Waitress“ gehört zu den elf auf „Best Wishes“ befindlichen, dem Indie-Rock der 90er-Jahre durchaus zugeneigten Songs.

Die Einflüsse von Bright Eyes und Feist

Maita Best Wishes Cover Kill Rock Stars

Von Epigonentum kann jedoch bei Maita keine Rede sein. Zu gut, zu gewitzt und zu nuanciert sind die Maita-Arrangements. Frontfrau, Texterin und Gitarristin Maria Maita-Keppeler, die das Songwriting mit der „Suche nach dem Sinn und der Wahrheit des Lebens“ gleichsetzt, hat zusammen mit Gitarrist und Co-Produzent Mathew Zeltzer, sowie Nevada Sawl (Bass) und Cooper Trail (Piano, Keyboard, Schlagzeug, Percussion) ein abwechslungsreiches und aufregendes Debütalbum aufgenommen. Maita-Keppeler gibt u.a. Bright Eyes und Feist als Referenzen ihrer musikalischen Sozialisation an. Einflüsse, die im an dieser Stelle als Song des Tages vorgestellten Opener „A Beast“ eine gewichtige Rolle spielen, wenn der tänzelnde, von lieblich-strahlenden Gitarrenlicks eingerahmte Folk-Rock-Beginn nach knapp über einer Minute von knackig-opulenten Riffs und mächtigem Schlagwerk abgelöst wird. In „A Beast“ zeigt sich sowohl die intro- als auch die extrovertierte Seite Maita-Keppelers.

Starke Maita-Songs

Beide Charakterzüge der Songwriterin tauchen prägnant im Verlauf des Albums auf, das schlicht sehr starke Indie-Rock-Songs anzubieten hat. Das geschüttelte „Someone’s Lost Their Goddamm Wallet“ beispielsweise. Oder das an der Basis sehr zarte, aber durch expressiv geklöppelt-perkussive Schlagzeugeinsätze und pointierte Pianotupfer fast schon in Trance versetzende „I’m Afraid Of Everything“. Das treibende, zweiminütige „Can’t Blame A Kid“ lässt die härtere Variante des 90er-Indie-Rock wieder auferstehen, während „Broken Down Boys“ geradezu verhalten und innig wirkt. Mit einer kurzen Rückkopplung endet das mit verzerrten Gitarren durchzogene „Pay To Play“, bevor die Band in Cello-Begleitung bei „Best Wishes, XO, Hugs & Kisses, Goodbye“ einen eleganten, nachdenklichen und traurig-sehnsüchtigen Albumabschluss finden. Der Sinn des Lebens kann manchmal darin liegen, ein gutes Debütalbum aufzunehmen. Maria Maita-Keppeler hat das mit ihrer Band getan.

„Best Wishes“ von Maita erscheint am 15.05.2020 bei Kill Rock Stars. (Beitragsbild von Ingrid Renan)

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