Keith Jarrett: La Fenice – Albumreview

Keith Jarrett: La Fenice – Albumreview

Keith Jarrett: Neues Solo-Live-Album

„Seine schier endlose Diskographie zeugt von einer grenzenlosen Kunst und einer einzigartigen Persönlichkeit im Bereich des Jazz. Seine Herangehensweise und sein unverwechselbarer Stil sind so persönlich, dass sie ihn zu einem universellen Meister in der Geschichte der Musik machen.“ So begründet die Jury des Internationalen Festivals für zeitgenössische Musik der Biennale di Venezia ihre Entscheidung, Keith Jarrett in diesem Jahr mit einem Goldenen Löwen für sein Lebenswerk auszuzeichnen.

Keith Jarrett, der Eroberer von Neuland

Keith Jarrett La Fenice Cover ECM RecordsJarrett ist der erste Jazz-Musiker, dem diese Ehre zuteil wird. Aber Jarrett ist eben nicht nur Jazzer. Gerade in seinen Solo-Konzerten ist er ein Stellvertreter neuer Musik, ein Entdecker und Eroberer von Neuland, der sich auf seiner Suche über Genregrenzen einfach hinwegsetzt. Ein weiteres Dokument seiner offengeistigen Spielweise ist „La Fenice“, am 19. Juli 2006 im Gran Teatro La Fenice von Venedig aufgezeichnet. In über 100 Minuten spielt er acht Spontanimprovisationen sowie drei Cover-Songs, bevor er mit seiner eigenen Komposition „Blossom“ den Abend beschließt.

Der Ideen-Jäger

Die Parts I bis VI sind in ihrem Charakter höchst unterschiedlich – mal zerrissen und aufwühlend, dann ganz still und zart. Das eigentlich Faszinierende aber ist wieder einmal, dass man das Gefühl hat, der Musik beim Entstehen beizuwohnen. Also keine Kopie eines bereits Erdachten und Fixierten zu lauschen, sondern etwas Spontanem, noch Uneigentlichem. Jarrett jagt den Ideen hinterher. Immer wieder hört man ihn angesichts dieser Anstrengungen ächzen und stöhnen. Aber auch jubilieren und singen, wenn er mal wieder eine Welle erwischt hat. Es sind Momente tiefer Empfindung.

Man mag sich kaum vorstellen, was es bedeutet, diese Stücke zu spielen. Sich dem Gewitter auszusetzen und das Chaos zu übersetzen in Musik. Ihm gelingt das. Egal, ob er in Part II getrieben und gehetzt ins Atonale und rhythmisch Vertrackte eintaucht, oder sich wie in Part III einer fast kindlich-naiven Melodie hingibt. „La Fenice“ ist ein Kraftakt, ein Parforcerittritt. Und ein erneuter Beleg für die Meisterschaft des 73-Jährigen.

„La Fenice“ von Keith Jarrett ist am 19.10.2018 bei ECM Records erschienen..

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