Nathaniel Rateliff: And It’s Still Alright

Nathaniel Rateliff: And It’s Still Alright

Schmerzverarbeitung im Americana-Folk-Ambiente von Nathaniel Rateliff

Der Umgang mit Verlust und Schmerz steht im Mittelpunkt des neuen Albums von Nathaniel Rateliff. Ursprünglich war es die Trennung von seiner Frau, die den 41-jährigen Songwriter zu neuen Songs animierte. Im Juli 2018 starb dann allerdings Rateliffs langjähriger Freund Richard Swift, der als Produzent der beiden Rateliff-Alben mit The Night Sweats maßgeblich am quirligen Blues-Rock-Sound des Bandprojektes beteiligt war. Zwei schwere Schicksalsschläge, die den in Denver lebenden Musiker zu zehn schönen wie bewegenden Songs inspirierten.

Melancholischer Großangriff

Nathaniel Rateliff And It's Still Alright Cover Stax Racords

Schmerz und Verlust trieben Rateliff in die Einsamkeit, von deren Überwindung er im legeren, von einer Slide-Gitarre in Szene gesetzten Opener „What A Drag“ singt. Die hier vorgegebene Richtung des Folk verfolgt der Songwriter im Verlauf des Albums konsequent mit Americana- und Country-Einflüssen weiter. Der bei Sounds & Books als Song des Tages vorgestellte Titeltrack „And It’s Stil Alright“ wartet mit filigraner Pedal Steel  und verwunschenen Orgelklängen auf, während „All Or Nothing“ durch erste zarte Streicher auffällt, die im erhabenen „Tonight #2“ noch an Wirkung zulegen und erste Gänsehautmomente verursachen. Eine Leonard-Cohen-Gedächtnisgitarre – und Atmosphäre sorgt gleichfalls für einen melancholischen Großangriff.

Nathaniel Rateliff und der Gospelchor

Schwer unter die Haut fährt das anschließende „Mavis“ mindestens im gleichen Umfang, wenn ein Gospelchor Rateliff feierlich-pathetisch zur Seite steht. Rateliff singt dabei so selbstversunken und innig wie nur irgendwie möglich. Die zwei stärksten Songs von „And It’s Still Alright“ finden sich also in der Mitte des Albums wieder, denen mit dem pittoresken „You Need Me“ ein klassischer, an die 70er-Jahre und James Taylor erinnernder Singer-Songwriter-Track folgt. Mit Verve und gebrochener Stimme intoniert Nathaniel Rateliff den sechsminütigen Closer „Rush On“, der durch ein dramatisch-getragenes Ambiente überzeugt. Und hinter all der Schmerzverarbeitung offenbart sich das Tröstliche. Sehr schönes Album.

„And It’s Still Alright“ von Nathaniel Rateliff ist am 14.02.2020 bei Stax Records / Caroline International erschienen. (Beitragsbild von Rett Rogers)    

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