Enno Bunger: Was berührt, das bleibt – Albumreview

Enno Bunger: Was berührt, das bleibt – Albumreview

Musik zu Therapiezwecken von Enno Bunger: Wahr und gut und schön

Er habe eigentlich einen Psychotherapeuten aufsuchen müssen, sagt Enno Bunger über die Entstehungsphase seines neuen Albums „Was berührt, das bleibt“. Doch kam der 32-jährige Songwriter zu der Erkenntnis: „Aber ich wollte mich durch das Schreiben selbst therapieren. So können aus den traurigsten Anlässen die berührendsten Lieder entstehen. Die größte Scheiße, durch die man gehen muss, kann der beste Dünger für berührende Kunst sein.“ Das ist vollkommen richtig und trifft auf Büngers Werk „Was berührt, das bleibt“ definitiv zu. Der in Ostfriesland aufgewachsene und in Hamburg lebende Songwriter hat ein wundervolles Album über das Leben und den Tod, über Verlust, Mut und Freundschaft geschrieben.

Enno Bunger ist sein eigener Held

Enno Bunger Was berührt das bleibt Cover Columbia Records

In „Niemand wird dich retten“, einer seiner elf neuen Songwriterperlen, greift Enno Bunger den Faden seiner Kollegin Antje Schomaker auf, die in „Gotham City“ einst dichtete „Ich bin der Held meiner eigenen Geschichte“. Bunger zieht ein ähnliches Fazit: „Niemand hier kann Dich retten / Niemand außer Dir selbst / Niemand hier kann Dich retten / Sei Dein eigener Held“. Da helfen auch nicht all die aufgezählten Superhelden, keine Catwoman, kein Spiderman, kein Batman. Mehr als ein paar begleitenden Beats und Synthieflächen sind für diesen sanft mäandernden Track nicht nötig. Während Bunger im zwischen Innigkeit und Opulenz changierenden „Wolken aus Beton“ von einer Depression berichtet, trägt er in „Ponyhof“ die am Festtag vorgetragene Hochzeitsrede an seinen Schlagzeuger Nils Dietrich im HipHop-Modus vor. Wem dieser Text nicht unter die Haut geht, muss ein eiskalter Klotz sein.

Musik, die berührt und bleibt

Mit dem optimistischen Indie-Pop von „Kalifornien“ („Wir machen die Welt zu unserem Zuhaus… Wir suchen nur das Weite, plötzlich finden wir uns selbst“) beginnt das Album, gefolgt vom bei Sounds & Books schon als Song des Tages vorgestellten „Bucketlist“, mit dem uns Enno Bunger bereits vor ein paar Wochen begeisterte. Begeisternd ist das ganze Album. Vom groß angelegten „Stark sein“, über das verträumte „Konfetti“ (Streicher inklusive), bis hin zum dramatischen „Wofür“ sowie dem leisen Abschlusslied „Weichzeichnungsfilter“. Spätestens mit „Was berührt, das bleibt“ ist Enno Bunger in die Riege der besten deutschen Songwriter aufgestiegen. Diese Musik berührt und bleibt.

„Was berührt, das bleibt“ von Enno Bunger erscheint am 26.07.2019 bei Columbia Records / Sony Music (Beitragsbild von Dennis Dirksen).

Kommentare

  • <cite class="fn">Laurent</cite>

    Mit „was berührt, das bleibt“ fliegt Bunger gefährlich tief. Und stürzt am Ende ab. Zu schwer ist seine lyrische Schwurbelei, als dass er damit abheben könnte. Seine textlichen Allgemeinschrottplätze besitzen keine Anziehungskraft, die Leitplanke zum abgrundtiefen Kitschschlund ist nicht Vertrauen erweckend, und fein Ziseliertes wie in „zwei Streifen“ sucht man wie Lumpi die Wurst im Veganerladen.

    Natürlich ist es ein sehr persönliches Album. Aber warum muss Bunger die darin umgesetzten Erfahrungen dermassen an die Wand fahren? Nach den beiden vorangehenden Alben waren die Erwartungen vielleicht zu hoch. Aber klar. Bunger muss nichts erfüllen. Bloss … Lyrik auf Freundealbumniveau passt einfach nicht zu ihm.

    Zwei Punkte gefallen mir an „wb,db“ trotzdem ausserordentlich, die kann Bunger an sich selbst trotz allem nicht kaputt machen: sein bestechend eindringlicher Gesang und sein blindsicheres Gespür für grosse Musik.

    „wb,db“ ist ein Zwischenalbum. Streckenweise ungeliebt vielleicht, aber eben unumgänglich auf dem Weg in die Zukunft.

  • <cite class="fn">Lucia</cite>

    Was für eine schöne Überschrift einer Review 😉
    Habe das Album heute morgen schon zweimal gehört und bin richtig begeistert und berührt!

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