Fettes Brot: Lovestory – Albumreview

Fettes Brot: Lovestory – Albumreview

Abwechslungsreiches neues Fettes Brot-Album

„Billstedt, Hamm und Horn schuf der Liebe Gott im Zorn. Und zu seinem größten Ärger schuf er noch den Pinneberger.“ Wer in Hamburg erzählt, dass er aus Pinneberg, dem südlichsten Kreis Schleswig-Holsteins, kommt, kann sich auf solche oder ähnliche Sprüche gefasst machen. Selbst Bayern stehen hier höher im Kurs als die Provinzidioten. Fettes Brot kommen allesamt aus dem Kreis Pinneberg und haben es trotzdem geschafft, in Hamburg geschätzt zu werden. Im Rest Hip-Hop-Deutschlands sind sie dafür komplett verschrien – quasi als „Pinneberger des Deutschrap“.

Fettes Brot und die Selbstliebe

Björn Beton, König Boris und Doktor Renz gelten als der Inbegriff der Uncoolness und wissen das ganz genau. Ihr neuestes Album „Lovestory“ beginnt schon mit genau der richtigen Antwort auf ihr Ansehen: „Ich liebe mich“, eine Hommage an den Hamburger Deutschrockklassiker „Ich liebe dich“ von Clowns & Helden, ist ein Ohrwurm über Selbstliebe. Es ist schließlich komplett okay, sich selbst toll zu finden und mitunter nötig, wenn einen der Rest sowieso nicht ausstehen kann.

Elf Hits? Elf Ohrwürmer

Fettes Brot Lovestory Albumcover

Genauso selbstbewusst wie der Album-Opener sind auch die Pressetexte zu „Lovestory“. Fettes Brot spricht hier direkt von elf Hits zum Thema Liebe. Vielleicht ist dieses Versprechen etwas dick aufgetragen. Dafür sind manche Lieder dann doch zu simpel gestrickt – wie der monotone Refrain des inhaltliche ansonsten interessanten „Opa + Opa“. Aber elf Ohrwürmer bietet „Lovestory“ allemal. Dabei blicken sie auf ganz unterschiedliche Aspekte der Liebe – von Freundschaften („Zwei Freunde und Du“) über Schwärmereien („Wetterfrau“, „Deine Mama“) bis hin zu Beziehungskrisen („Du driftest nach rechts„, „iKEA“).

All diese Songs haben nicht die großartigsten Reimketten, nicht die einfallsreichsten Arrangements und nicht die deepeste Message. Aber gerade die ersten zwei Drittel von „Lovestory“ bleibt schon nach zwei Mal hören Ewigkeiten im Ohr. Wo der Pop immer mehr Hip-Hop-Elemente übernimmt, gehen die berufsuncoolen Pinneberger in die andere Richtung. Sie nehmen Rap und schmeißen ihn in den Mixer mit Ohrwurmhooks und tanzbaren Beats. Im Grunde dasselbe Rezept, das auch Capital Bra benutzt – nur mit Hamburger Witz, kreativeren Texten und mehr musikalischer Abwechslung.

„Lovestory“ von Fettes Brot erscheint am 03.05.2019 bei Fettes Brot Schallplatten. (Beitragsbild von Jens Herrndorff)

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