Julia Jacklin: Crushing – Albumreview

Julia Jacklin: Crushing – Albumreview

Ein formidables neues Julia Jacklin-Album

Mit Don’t Let The Kids Win veröffentlichte Julia Jacklin im Oktober 2016 eines der wohl lässigsten und abgebrühtesten Debütalben des damaligen Jahres. Der nunmehr 28-jährigen australischen Songwriterin gelangen mit „Pool Party“, „Leadlight“, „Coming Of Age“, „Motherland“, „Hay Plain“ und dem Titeltrack einige bemerkenswerte Indie-Lo-Fi-Pop-Songs mit Hitpotential. Es folgten zwei Jahre auf Tour, sowohl mit ihrem Soloprojekt als auch als Bandmitglied von Phantastic Ferniture, eine gleichzeitig geführte Beziehung und das Gefühl, nie genug Raum für sich selbst zu haben. Ängste schlichen sich bei Julia Jacklin ein und ihren Körper nahm sie nur noch als Funktionshülle wahr, die sie von A nach B trug. Die neuen Songs sind also der künstlerische Versuch, Körper und Geist wieder in Gleichklang zu bringen, und Crushing das formidable Endergebnis.

Julia Jacklin und die Schwermut

Julia Jacklin Crushing Cover Transgressive Records

Nach dem wehmütigen, schleichenden, offenherzigen und nachdenklichen Opener „Body“ („I guess it’s just my life / And it’s just my body“), in dem Julia Jacklin den Song-Text auf fast unheimliche Weise wispert, reißt sie das Ruder im anschließenden „Head Alone“ an sich („I don’t want to be touched all the time / I raised my body to be mine“). Der Song schaukelt sich zwei Minuten lang hoch und explodiert in einem riesigen Weltumarmungschorus. Der vorwärtspreschende, begeisternde Indie-Folk-Rock-Song „Pressure To Party“ hebt die Laune musikalisch deutlich, verarbeitet indes textlich die Verhaltensmuster nach einem Beziehungsende. Der schönste Track des Albums folgt anschließend mit „Don’t Know How To Keep Loving You“. Jacklins schmerzhafter Gesang, die verschleppten Drumparts sowie die langsame, dem Blues verpflichtende Gitarre machen daraus eine herzzerreißend-schwermütige, inbrünstige Ballade.

Jacklins emotionale Achterbahnfahrt

Nur noch Stimme und Piano verbleiben im berührenden „When The Family Flies In“, dem mit „Convention“ und „Good Guy“ zwei wehmütige, wunderbar ruhige Folk-Songs folgen, bevor „You Were Right“ den Indie-Rock der Marke Courtney Barnett beschwört. Die emotionale Achterbahnfahrt endet dann mit den ergreifenden „Turn Me Down“ (dieses Pathos im Mittelteil, einfach grandios) und „Comfort“. In Julia Jacklins Schwermut liegt eine tröstende Anmut. Ein wundervolles Album und der nächste Schritt auf der Karriereleiter.

„Crushing“ von Julia Jacklin erscheint am 22.02.2019 bei Transgressive / PIAS (Beitragsbild von Gérard Otremba).

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