Sons Of Bill: Oh God Ma’am – Album Review

Sons Of Bill: Oh God Ma’am – Album Review

Vielseitiger und nachdenklicher Americana-Folk-Rock von Sons Of Bill

Fast stand die Band Sons Of Bill vor der Auflösung. Nach einer langen Tour zum letzten Album Love & Logic sorgten private Ereignisse wie Scheidungen, Abhängigkeiten, mentale Erschöpfungen und ein tragikomischer Unfall für allerhand Unruhe im Umfeld der Brüder James, Sam und Abe Wilson. Das Trio aus Virginia nahm sich jedoch die nötige Zeit, um die „verlorene Unschuld der Jugend“ zu verarbeiten und diese Unschuld wieder ein Stück weit für sich zurückzugewinnen, denn „in vielerlei Hinsicht ist diese Unschuld ein essentieller Teil davon, in einer Band zu sein. Zu viel Realität ist der Tod für eine bestimmte Art von Kunst – besonders für Rockmusik“, sagt James Wilson. Doch alles, was ihnen passiert sei, hätten sie dahin kanalisiert, „eine andere Art von Album zu machen“, so James Wilson weiter.

Sons Of Bill Oh God Ma'am Albumcover Loose MusicEin Album, das zwar immer noch Americana-Folk-Rock bietet, aber wesentlich gedämpfter, nachdenklicher und vielseitiger als bisher. Oh God Ma’am sollte Jackson Browne-Fans genauso begeistern, wie viele Wilco-Freunde. Das Album beginnt mit der sehr edlen, feierlich-getragenen Piano-Ballade „Sweeter, Sadder, Farther Away“, die zwar nicht wirklich typisch für den neuen Sons Of Bill-Longplayer ist, aber sehr schön die dunkel-emotionale Seite der Band zeigt. Ein introvertiertes Album, das mit „Firebird ‘85“ fortgesetzt wird, einem der schönsten Songs der LP, bei dem immer wieder „War On War“ von Wilco durchscheint, also die ganz hohe Songwriterkunst. Das von Sounds & Books bereits als Song des Tages vorgestellte „Believer / Pretender“ mischt der vorherrschenden Melancholie noch die Prise Unbekümmertheit im Sound hinzu, ein leuchtender Americana-Indie-Pop-Track.

Während „Where We Stand“ in die Richtung des weiträumigen Indie-Rock von The War On Drugs schielt, entzücken berührende, innige, verträumte und sehnsüchtige Balladen wie „Easier“, „Good Mourning (They Can’t Break You Now)“ und „Green To Blue“ das Herz. Dazwischen noch eine Wilco-Reminiszenz (circa die Zeit von Summerteeth) mit „Before The Fall“ und das Jingle-Jangle-Folk-Rock-Gemüt befriedigen Sons Of Bill nochmal mit „Old And Gray“, einer der zugänglichsten und harmonischsten Songs auf Oh God Ma’am. Dunkler also und intimer ist der Sound von Sons Of Bill geworden, aber die vielfältigen Arrangements und das Gespür für richtige Stimmungen sprechen für sich. Eine andere Art von Album für die Sons Of Bill, mit dem sie aber viele neue Fans gewinnen sollten.

„Oh God Ma’am“ von Sons Of Bill erscheint am 29.06.2018 bei Loose Music / Rough Trade (Beitragsbild: Sons Of Bill, Pressefoto Loose Music).

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