Dine Doneff: Rousilvo – Album Review

Dine Doneff: Rousilvo – Album Review

Gegen das Vergessen

Im griechischen Teil Mazedoniens durfte die mazedonische Kultur lange Zeit nur heimlich gelebt werden. Für die typische mazedonische Blasmusik etwa bedeutete dies, dass die Melodien zwar gespielt wurden, die Texte aber nicht gesungen. Denn die Sprache war verboten. Dine Doneff suchte für seine Volksoper „Rousilvo“ (was der alte slawische Name für das Dorf Xanthogeia ist, das im Nordwesten Griechenlands nahe der Grenze zur Republik Mazedonien liegt und in dem Doneff aufwuchs) nun die Texte einiger dieser traditionellen Volkslieder hervor und ließ sie von sieben Frauen im Studio einsingen. Dazu komponierte er neue Musik und webte auch Naturgeräusche aus seinem Heimatort ein.

Auf diese Weise bewahrt Doneff ein Stück mazedonischer Kultur vor dem Vergessen. Die Aufnahme ist mystisch, bewegt sich zwischen Folk und Jazz und zeichnet sich durch ihre hohe Intensität aus. Stücke wie das pianobasierte „Oblivion“ oder das mit einem jazzigen Bläserthema und Oud gespielte „Apatris“ tragen eine stille Nostalgie in sich, während etwa das vielstimmige „Mirka“ oder das majestätische „Penelopes Of Xanthogeia“ einen Stolz ausdrücken, der nicht minder nahe geht. Zwischen zart und kraftvoll schwanken die Stücke dieser Platte, die in ihrer Aufeinanderfolge wie eine Reise in ein für den Untergang bestimmtes Land wirken.

Es ist auch eine Reise in vergangene Zeiten. Mit viel Liebe zum Detail ausstraffiert, musizieren sich die 14 Musiker durch diesen Songzyklus. Und wenn im letzten Stück – einer freien Interpretation eines traditionellen Liedes in griechischer Sprache, das hier „As A Story“ heißt – ganz ohne instrumentelle Begleitung gesungen wird, dann wird sie in ganz besonderer Weise lebendig: diese klangvolle Sprache, die so viel Emotionen zu transportieren in der Lage ist. Die Aufnahme endet mit einem etwa eine volle Minute dauernden Wind, der durch die Eichenbäume weht. Das letzte Wort hat die Natur.

„Rousilvo“ von Dine Doneff ist am 26.01.2018 bei neRED / ECM Records erschienen.

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