Kat Edmonson: The Big Picture – Album Review

Genüsslicher Martini-Lounge-Jazz-Pop

von Gérard Otremba

Das Cover und alle anderen im Booklet vorhandenen Fotos assoziieren Blow Up, den cineastischen Geniestreich von Michelangelo Antonioni aus dem Jahre 1966. Und ähnlich wie die im Sixties-Look arrangierten Bilder, evoziert Kat Edmonson auf The Big Picture einen Hauch von Swinging London und reiht sich stilistisch zwischen Nancy Sinatra, Dusty Springfield, Duffy und Norah Jones ein. Auf ihrem dritten Album wartet die 31-jährige Texanerin mit charmantem und feinfühligem Jazz-Pop, oder Vintage-Pop, wie sie ihre Musik selbst bezeichnet, auf, makellos produziert, immer wieder an alte Soundtracks erinnernd, wie der Eröffnungssong „Rainy Day Woman“, der als Untermalung eines James Bond-Streifens eine sehr gute Figur abgäbe, inklusive Streicher und Bläsersatz. „You Said Enough“ groovt sexy und einschmeichelnd, in „Oh My Love“ schmachtet Edmonson sehnsüchtig im Slowmotion-Bar-Jazz-Stil, Streicher veredeln ihre Tränen in funkelnde Diamanten, ihre Traurigkeit erreicht die Lana Del Rey-Klasse.

Zum fluffigen und entzückenden Pop schwingt sich „Avion“ auf, als ob Burt Bacharach hier seine Hände im Spiel gehabt hätte, so himmlisch schwelgen hier die Streicher. Die Melancholie von „Crying“ breitet Kat Edmonson auf einem samtweichen Teppich aus, graziös und elegant, während sie mit „All The Way“ an den Laurel Canyon-Folk der 70er erinnert. Großes Drama und unendliche Traurigkeit dann in „You Can’t Break My Heart“, natürlich in Cinemascope-Format. Stilvoll zwischen Boss Nova-Pop („Till We Start To Kiss“), Klarinetten-Jazz („The Best“) und nochmal Burt Bacharach-Präzision („Dark Cloud“) geht es auf The Big Picture weiter, bevor „For Two“ wie eine große Roy Orbison-Ballade der Marke „Blue Bayou“ erklingt und dem abschließenden „Who’s Counting“ die Lässigkeit diverser Van Morrison-Stücke inne wohnt. Ja, es ist Martini-Lounge-Jazz-Pop, aber es ist genüsslicher Martini-Lounge-Jazz-Pop.

„The Big Picture“ von Kat Edmonson erscheint am 16.01.2015 bei Masterworks / Sony Music.

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