Tom Liwa: Der, den mein Freund kannte

Tom Liwa: Der, den mein Freund kannte

Tom Liwa findet auf seinem neuen Album zu einem schwebenden Ambient-Sound

Für sein neues Album „Der, den mein Freund kannte“ setzt Tom Liwa ganz und gar auf Unabhängigkeit. Das am 30.11. erscheinende Werk ist ausschließlich über Liwas Bandcampseite erhältlich. Ein Album, ohne Label, ohne Vertrieb, ohne Promo-Agentur und bei Streaming-Portalen wird es ebenfalls nicht zu finden sein. Eine ziemlich totale Industrieverweigerung in „einer Zeit voller schneller Paradigmenwechsel“, in der es Liwa wichtig ist, „immer wieder zu überprüfen, ob die alten Wege noch die richtigen sind“. Eine Vorgehensweise, die dem 1961 in Duisburg geborenen Songwriter in seiner langen Musiker-Karriere sowohl als Frontmann der Flowerpornoes als auch während seiner Solo-Karriere bekannt sein dürfte. Und in Corona-Zeiten zu Projekten wie der von uns an dieser Stelle vorgestellten digitalen Singles-Reihe Topic Tom De Terre sowie der Aufnahme eines Albums mit spiritueller Musik führte.

Das Sterben als thematischer roter Faden

Tom Liwa Der, den mein Freund kannte Albumcover

„Der, den mein Freund kannte“ beginnt in typischer Singer-Songwriter-Manier, aber dann wird alles anders. Im von der Akustikgitarre geprägten Opener „Bismo“ erkennt Tom Liwa die Schönheit der Welt in den Augen einer in einem Trailer wohnenden, mit sich selbst redenden Frau. Es tauchen noch ein Sänger und ein alter Mann auf, dem Liwa wünscht, sein Tod werde so, wie er es glaube (sich selbst und uns übrigens auch). Das Sterben zieht sich thematisch durchs Album, für Tom Liwa „ein Versuch, den Tod tröstlich anzugehen, ohne auf Glauben zu verweisen“. Tröstlich wirken die Texte tatsächlich und von poetischer Kraft durchdrungen sind Liwas „Geschichten vom Rand der Welt, in der Hoffnung, dass sie mutig machen und froh“ ebenfalls.

Ein neues Abenteuer für Tom Liwa

Insgesamt befinden sich neun Songs auf „Der, den mein Freund kannte“, und bis auf „Bismo“ hat Liwa sie in einer Art schwebenden Ambient-Sound arrangiert. Ein zeit- und raumunabhängiger, sanft kosmischer Sound, der perfekt zu Liwas Erzählsingstimme passt. Es sind ruhige, zarte, bewegende und erhabene Songs, die die Zeit fast zum Stillstand bringen. Da ist das aufmunternde „Spring“, das sehr berührende, an Liwas verstorbenen Freund Willi Kissmer erinnernde „Willi“, mit seinem im Hintergrund agierenden Klavier, und das majestätische „Seele“ samt spiritueller Gesänge. Von nicht minder zauberhafter Wirkung erklingen „Humble Deal“, „Achim“ und „Väinämoinen“. Das Titelstück hat Liwa als gesprochene Erzählung aufgenommen und das Instrumental „Wenn der Abschied kommt“ schließt das Album ab. Ein neues Abenteuer für Tom Liwa, eine Entdeckungsreise, der wir gerne folgen.

„Der, den mein Freund kannte“ erscheint am 30.11.2020 und ist direkt über Tom Liwas Bandcampseite bestellbar. (Beitragsbild von Saskia Lippold)    

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