Doug Carn, Adrian Younge & Ali Shaheed Muhammad – Jazz Is Dead 05

Doug Carn, Adrian Younge & Ali Shaheed Muhammad – Jazz Is Dead 05

Wiederentdeckung des Wegweisers Doug Carn

Sein Name fällt heute nur noch selten. Dabei war Doug Carn eine der wegweisenden Figuren im Rare Groove- und der Funk-Jazz-Szene. Vor allem seine drei Alben bei Black Jazz Records begründen seinen Status als Pionier und Innovator: „Infant Eyes“, „Spirit Of The New Land“ und „Revelation“ – allesamt opulente Manifeste afro-amerikanischer Kultur, die zwischen 1971 und 1973 entstanden. Seine Musik vereint Element aus Jazz, Funk, Soul und Gospel mit der politischen Aufbruchstimmung der Zeit. Erfolgreich war das nicht, aber enorm einflussreich. Heute ist Carn 72 Jahre alt. Und wenig ist gleich geblieben. „Die Zeiten ändern sich. Wenn man in meinem Alter ist, überlegt man sich genau, was man als Nächstes macht und was Sinn ergibt. Schau mal: Die Musikszene, insbesondere die Jazzwelt, ist so gespalten. Man fühlt sich manchmal wie ein Mitglied einer obskuren politischen Sekte. Ich lerne, das irgendwie zu akzeptieren, aber der Mainstream ist wirklich nichts für mich“, sagt Carn.

Doug Carn is back

Die Fusion-Jazz-Helden Adrian Younge und Ali Shaheed Muhammad haben für ihre tolle Jazz Is Dead-Reihe beinahe vergessene Legenden reaktiviert und mit ihnen neues Material aufgenommen. Nach Roy Ayers, Gary Bartz, Marcos Valle und Brian Jackson ist nun also Doug Carn an der Reihe.

Mal kraftvoll, mal laid back

Doug Carn Jazz Is Dead 5 Albumcover

Ihm zur Seite stehen Trompeter Zach Ramacier, Altsaxophonist Shai Golan und Drummer Malachi Morehead. Das Material besteht aus kraftvollen Funk-Monstern, die das 70s-Feeling wiederbeleben („Dimensions“, „Processions“) sowie Downtempo-Nummern, die eher jazzy und laid-back sind („Down Deep“, „Desires“). Insgesamt viel Orgel, viel roher Groove, viel Improvisation. Streckenweise wird man erinnert an die Großtaten von Funkadelic, an die ersten elektrischen Experimente von Miles oder an die hippieske Caranvaserai-Ära von Carlos Santana – nur, dass hier die Gitarre fehlt. Immer schwingt eine Metaebene mit, nie geht es nur um das Gespielte, immer auch um etwas Gemeintes.

Keine Chance auf Mainstream

Angst, damit in den Mainstream zu rutschen, muss Doug Carn sicher nicht haben. Dafür sind diese Stücke zu sperrig und zu aufmerksamkeitsgreifend. Seinem eigenen Werk fügt er damit aber ein weiteres Highlight zu. Auch in 40 Jahren werden sich nicht viele, aber wichtige Musiker an ihn erinnern.

„Jazz Is Dead“ von Doug Carn erscheint am 18.12.2020 bei Jazz Is Dead / Indigo. (Beitragsbild: Albumcover)

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