Darkside: Spiral – Albumreview

Darkside: Spiral – Albumreview

Das neue Darkside-Album „Spiral“ erfüllt die Erwartungshaltungen

Schade, meistens, die Sache mit dem ersten Eindruck. Erwartungsfrei einer Sache begegnen und dann davon im besten Falle umgeblasen zu werden: Wow – Spucke sowie Luft weg, prima. 2013 schaffte dies das Debüt „Psychic“ der New Yorker Darkside nicht nur bei mir. Album sowie die dazugehörende Tour schienen solitär zu bleiben, haben beide Protagonisten des Projektes doch sonst alle Hände voll zu tun: Gitarrist Dave Harrington hat allein 2020 zwei Alben veröffentlicht, und Nicolas Jaar, Knöpfchendreher, Sänger und alles andere in Personalunion, ja nun: Wer sich auch nur ein ganz kleines Bisschen in der elektronischen sowie House-Music auskennt, ist über diesen Kerl schon mehrmals gestolpert – und sei es als Produzent von diversen hochklassigen Acts wie FKA Twigs oder seiner Studienkollegin Buzzy Lee.

Langsamer Spannungsaufbau

Darkside Spiral Cover Matador Records

Ein Live-Album von der Tour 2014 (Konzertreview bei Rockstage Riot) erschien 2020 und machte Hoffnung auf eine Wiederaufnahme der Kooperation, die bereits 2018 entstand und in den folgenden Monaten den Feinschliff erhielt, den man nun präsentiert bekommt. Meine Erwartungshaltung war dabei so übertrieben hoch, dass jedes Werk eigentlich daran scheitern muss. Gerne hätte ich Darkside gar nicht gekannt oder zumindest vergessen, aber das geht ja nun mal nicht. Drei Stücke gab es als Appetithappen vorher, „Liberty Bell“ bereits Ende 2020, mit einer Westerngitarre hinter und neben blubberndem Beats und dem Gesang Jaars, der fern aller Stimmgewalt durchaus ausdrucksstark auf ein Highlight des Albums hinarbeitet, das achteinhalbminütige „Inside Is Out There“. Langsam wird hier Spannung aufgebaut, fast schon cineastisch; eine trippy Sound-Melange in der man sich verlieren kann, vor allem unterm Kopfhörer.

Darkside als Solitär

„The Limit“, die zweite Single, erinnert noch am ehesten an die Klassiker von „Psychic“. Leute wie ich werden da gut „abgeholt“ und nicken auf Anhieb anerkennend, aber eigentlich wollten wir durch Innovationen geplättet werden und wie soll das zusammen gehen, funktioniert das überhaupt? Spoiler: Tut es. „Lawmaker“ erschien im Juni, Klangschalen illustrieren psychedelische Innerlichkeit während ein Mann beschrieben wird, der Weisheit sowie Durchsetzungskraft darstellen soll und damit Verderben produziert, ein Bild aus klassischen Western oder Mittelalterfilmen und damit leider tagesaktuell.

Ist „Spiral“ am Ende ein Konzeptalbum? Ein Blick aufs Textblatt nach Erscheinen des Albums wird bei der Beantwortung dieser Frage helfen. Bleibt die fordernde, faszinierende sowie begeisternde Musik, die in Gänze einen komplett eigenen Weg einschlägt und dabei Genres wie Psychedelic, Folk, Jazz, Ambient sowie Rock tangiert, inkludiert, bearbeitet oder weiter entwickelt. Damit stehen Darkside weiterhin als Solitär da und erfüllen alle Erwartungshaltungen, so man wie ich welche hatte. Alle anderen beneide ich um den bevorstehenden Erstkontakt.

„Spiral“ von Darkside erscheint am 23.07.2021 bei Matador / Beggars. (Beitragsbild: Pressefoto)

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