Benedict Wells: Die Top-Ten-Songs zu „Hard Land“

Benedict Wells: Die Top-Ten-Songs zu „Hard Land“

Bestseller-Autor Benedict Wells stellt exklusiv bei Sounds & Books die Top-Ten-Songs zu seinem neuem Roman „Hard Land“ vor

Musik spielt in „Hard Land“, dem neuen, von uns an dieser Stelle rezensierten, bei Diogenes veröffentlichten Roman von Benedict Wells wieder einmal eine entscheidende Rolle. Allein die Erfindung des „Bruce-Mobil“, ein Pick-up, in dem, bis auf eine Ausnahme, ausschließlich Songs von Bruce Springsteen gespielt werden, zeigt bereits die Wichtigkeit der Rockmusik im inhaltlichen Kontext. In dieser Liste stellt uns Benedict Wells exklusiv bei Sounds & Books zehn Songs vor, die ihn zum und beim Schreiben von „Hard Land“ inspirierten. Sounds & Books wünscht viel Vergnügen mit den

Top-Ten-Songs zu „Hard Land“ von Benedict Wells

1. HIGHWAY PATROL STUN GUN – Youth Lagoon

Mit diesem Song fing alles an. Ich hatte die Idee für “Hard Land” schon länger im Kopf und machte mich Ende 2014 daran, die bisher noch vage Geschichte endlich auszubauen. Welche Figuren würden eigentlich im Buch sein? Welche Ereignisse würden genau geschehen? Da ich ein bestimmtes Gefühl aus meiner Jugend schildern wollte, griff ich auf eine Perspektive zurück, die mir nah und vertraut war: meine eigene. So kam ich auf Sam, und ich wusste auch schon früh, dass es um Verlust gehen würde, um Erwachsenwerden, um Freundschaft, kurz: um „diesen einen Sommer“.

Als ich das Gerüst des Romans in etwa hatte, hörte ich auch zum ersten Mal den Song „Highway Patrol Stun Gun“ der inzwischen leider aufgelösten Band Youth Lagoon. Und was ich da hörte, war nichts anderes als der noch gesuchte Ton meiner Geschichte. Melancholisch, aber durch das teils mitreißende Piano auch mit einer beschwingten Note. Manchmal achte ich bei Songs sehr auf den Text, bei diesem weiß ich ehrlich gesagt bis heute nicht genau, worum es geht. Ich weiß nur, dass ich dieses Gefühl, das damals beim Hören in mir ausgelöst worden war, später mit Worten nachzubilden versuchte.

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2. SPACE AGE LOVE SONG – A Flock of Seagulls

Der nächste “Vier Worte Song” in dieser Liste. Diesmal von einer der New Wave-Bands der Achtziger schlechthin: A Flock of Seagulls aus Liverpool. Die ikonische Frisur des Sängers mit den Hörnern habe ich an einer Stelle als Fun Fact ins Buch eingebaut. Beim Hören dieses Lieds sah ich jedenfalls immer Sam vor mir, der verliebt und übermütig von seiner Arbeit im Kino nach Hause läuft. Die passendste Stelle im Buch ist aber diese hier:

„Der Himmel war blau wie ein Pool, und wenn ich heute an den diesen Sommer zurückdenke, dann war das Schönste eigentlich immer der Weg von unserem Haus zum Kino oder zum Larry’s. Diese zwanzig Minuten, bis ich die anderen sah und in denen ich mir ausmalen konnte, was wir machen würden und ob ich Kirstie ein bisschen näherkam.“

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3. I’M ON FIRE – Bruce Springsteen

Während bei „Becks letzter Sommer“ Bob Dylan Pate stand, war es in „Hard Land“ Bruce Springsteen. Brandon Jameson, von fast allen nur „Hightower“ genannt, hat sogar die Regel aufgestellt, dass in seinem Pick-up ausschließlich Musik vom „Boss“ laufen darf. Da er sehr schweigsam ist, muss man über den genauen Grund rätseln. Aber vermutlich, weil sein Stiefvater das auch schon immer so getan hatte, bevor er ihm das Auto schenkte – also genau, wie es später auch Sam tun wird, nachdem er den Pick-up bekommt. Den Song fand ich immer auch deshalb faszinierend, weil der Text absolut nichts mit der Stimmung zu tun hat, die er zumindest in mir auslöst: Etwas wehmütig, fast traurig ist diese Melodie, während die Figuren im Buch nachts über eine rostige Brücke den Missouri River überqueren.

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4. DON’T YOU (FORGET ABOUT ME) – Simple Minds

Okay, an diesem Song gibt es einfach kein Vorbeikommen. Die Hymne aus „The Breakfast Club“ durfte auf dem Soundtrack des Buchs schon deshalb nicht fehlen, weil „Hard Land“ vor allem in der ersten Hälfte auch eine Hommage an John Hughes ist – dem viel zu früh verstorbenen Autor und Regisseur von eben „Breakfast Club“, aber auch anderen 80s-Klassikern wie „Pretty in Pink“, „Sixteen Candles“ und „Ferris macht blau“. Wobei ich am liebsten das Drehbuch mag, das er für „Some Kind of Wonderful“ geschrieben hat. Ich habe seine Filme unzählige Male gesehen und fand bei näherer Betrachtung vor allem spannend, dass sie sich einerseits oft selbst zitieren und manchmal fast ein wenig klischeehaft und vorhersehbar daherkommen – und andererseits genau darin auch eine ganz eigene Magie und für mich auch ein guter Teil ihres Charmes liegen. Denn so fühlen sie sich vom ersten Moment vertraut und wie ein Nachhause-kommen an. Am Schönsten fand ich bei Hughes jedoch, dass er sich nie über seine jugendlichen Protagonist:innen stellte, sondern mit ihren Augen auf die Welt der Erwachsenen blicken konnte. Ein Genie, das in seiner Zeit fast ganz allein das Coming-of-Age-Genre prägte. 

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5. NEW SENSATION – INXS

Eines der wenigen Poster, die Sam an einer Stelle im Buch nicht von der Wand reißt, ist das mit Michael Hutchence, dem Sänger und kreativen Kopf der australischen Band INXS. Gefühlt sind sie heute unterschätzt, deshalb habe ich versucht, ihnen im Buch ein Denkmal zu bauen. Wenn ich an die 80er denke, dann bilden für mich Bands und Künstler wie etwa Talking Heads, Tears for Fears, U2, OMD, Jackson, Prince, Madonna, Collins und The Police das Soundgerüst dieser Dekade. Aber insgeheim ragen INXS für mich hier noch heraus. Ihre unzähligen Hits wirken heute wie ein musikalisches Destillat ihrer Zeit, und „New Sensation“ hat vielleicht eines der besten Gitarrenriffs überhaupt. Mein Tipp: Laut beim Spaziergang anhören.

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(Ein anderer Tipp: Den harmlos daherkommenden, aber schönen Song „The 3rd Time We Opened The Capsule“ der englischen Band Kitchens of Distinction anhören. Und kurz vor dem Höhepunkt des zweiten Refrains, so um Minute 2:14 herum, richtig laut aufdrehen und dabei unbedingt die Augen schließen: ich verspreche, man ist für fünf Sekunden wieder sechzehn.)

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6. THE POWER OF LOVE – Huey Lewis & The News

Noch eine Band, die ihren Höhepunkt auf jeden Fall in den 80ern hatte. Und wie beim ganzen Jahrzehnt lässt sich auch bei ihren Songs diskutieren: ist das nun wirklich gut oder nur auf eine ironisch-nostalgische Art? Aber eigentlich ist es egal. Denn mit diesem Lied lieferten sie so oder so den Titeltrack zum Film „Zurück in die Zukunft“, der im Juli 1985 anlief – und auch für Sam nicht wichtiger hätte sein können. Endlich hatte er – eher schmächtig, klein und ohne tiefe Stimme – ein Vorbild, nämlich Marty McFly, gespielt von Michael J. Fox. Ich liebe diesen Film noch immer sehr, nicht zuletzt für sein extrem cleveres, gewitztes Drehbuch, das damals auch für einen Oscar nominiert wurde. Wobei ich am Lustigsten das für die 80er typische, materialistische Ende finde. Ja, der Vater hat nun mehr Selbstbewusstsein, schön. Und die Geschwister gute Jobs und straucheln nicht mehr, auch gut. Aber das wahre Happy End ist, als die Garage aufgeht – und darin der brandneue, gewachste Jeep steht.

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7. DRIVE – The Cars

Eine weitere für mich absolut prägende Band der 80s: The Cars. Hier vertreten mit ihrer melancholischen Hymne „Drive“. Als Sam sich später im Buch und nach seinem schweren Verlust traut, sich für eine Rolle in einem Musical zu bewerben, wählt er beim Vorspielen dieses Lied. Und sollte es wie angekündigt und erhofft die Clubtour im Herbst geben, mit dem Musiker Jacob Brass, freue ich mich schon jetzt auf sein Cover von „Drive“.

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8. THE PROMISE – When In Rome

Dieser Song ist ein typisches One-Hit-Wonder, wobei ich die Studio-Version von 1987 noch besser finde als die bekanntere aus dem Jahr darauf. Beim Hören dachte ich oft daran, wie meine Figur nach einem schwierigen Winter langsam wieder Hoffnung schöpft. Ich mag vor allem den metallenen, klassisch hallenden New-Wave-Sound sehr. Und da es im Buch auch um eine lange versprochene Reise nach Rom geht, musste dieses – wiederum sowohl Wehmut als auch Hoffnung verströmende – Lied einfach auf den Soundtrack. Der Zufall mit dem Titel gab auch den Ausschlag, dass ich nicht das ebenfalls sehr gut an diese Stelle passende „Time After Time“ von Cyndi Lauper nahm.

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9. DANCING WITH TEARS IN MY EYES – Ultravox

Die britische Band Ultravox hatte einige Hits in den 80ern, sehr gern mag ich etwa auch „Reap The Wild Wind“. Bei diesem Song dagegen finde ich allein schon den Titel genial. „Dancing With Tears In My Eyes“ – hat es je eine kürzere und bessere Beschreibung für die widersprüchlichen Emotionen gegeben, die man als Teenager oft hat; für dieses schnelle, fast grundlose Umschlagen von Gefühlen? Im Buch redet auch Kirstie darüber:

„Es sollte echt ein Wort für dieses Gefühl geben“, sagte sie. „So was wie Euphancholie. Einerseits zerreißt’s dich vor Glück, gleichzeitig bist du schwermütig, weil du weißt, dass du was verlierst oder dieser Augenblick mal vorbei sein wird. Dass alles mal vorbei sein wird.“ Sie packte ihr Notizbuch weg. „Na ja, vermutlich ist die ganze scheiß Jugend Euphancholie.“

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(EVERY TIME – Münchener Freiheit)

Kurz vor dem Finale noch ein kleiner Bonus Track; er ist zwar nicht auf den Soundtracks zum Buch, aber für mich trotzdem einer der besten Songs der Achtziger: „Ohne Dich“ von der Band Münchner Freiheit, selbstgecovert. In Deutschland missverstanden und in die Schlagerecke gestellt, entfaltet dieser Song auf Englisch seine wahre Klasse und klingt auf einmal wie eine Mischung aus den Cars und REO Speedwagon. „Every Time“ wurde auf gleich mehreren internationalen Listen in die Top 10 dieser Zeit gewählt. Zurecht.

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10. CAN’T HELP FALLING IN LOVE – Lick The Tins

Ich versuche die Soundtracks zum Buch immer chronologisch zur Handlung zu erstellen. Der letzte Track wäre also – wäre das Buch ein Film – der Abspannsong. Dieser hier ist ein vielleicht weniger bekanntes Remake von Elvis Klassiker und stammt von der Band Lick The Tins. Genau wie Bleachers‘ „Don’t Take The Money“ vom Soundtrack Volume 2, fängt er perfekt die Stimmung eines übermütig-jugendlichen Abschlusses ein. Für mich ein idealer Song für das Ende der Geschichte – und dieser Liste.

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Herzlichen Dank an Benedict Wells für die Vorstellung der Top-Ten-Songs zu seinem Roman „Hard Land“. Auf der Website von Benedict Wells befinden sich weitere Soundtracks zu seinen Romanen. (Beitragsbild: Benedict Wells von von Roger Eberhard)

Kommentare

  • Doris Keitel

    Ein wahnsinnig gutes Buch und die Songs dazu der Hammer
    Fühle mich wieder jung bin aber schon 59 Jahre alt
    Benedikt Wells hat meiner Meinung nach einen Jahrhundert Roman geschrieben mit Hard Land
    Danke dafür
    Herzlichst
    Doris Keitel

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