ECM Touchstones: 50 Jazz-Klassiker zum Jubiläum

ECM Touchstones: 50 Jazz-Klassiker zum Jubiläum

Zu seinem 50. Bestehen veröffentlicht das ECM Label 50 Klassiker aus dem Backkatalog in der preiswerten „Touchstones“-Serie

Die ersten 25 gab es im Januar. Seit Mai ist nun der zweite Schwung der ECM „Touchstones“-Serie im Handel. Diesmal dabei sind unter anderem „Tribute“ von Paul Motian, „Crystal Silence“ von Gary Burton und Chick Corea, „Muamba“ von Gary Peacock, Enrico Ravas „Easy Living“ und „Of Mist & Melting“ von Bill Connors. Alben also, die längst zu Klassikern geworden sind. Die Wege ausgelotet, Grenzen gesprengt und Stile geprägt haben. In hübschen Pappcovern und mit dem gewohnt brillanten ECM-Sound sind diese Re-Releases eine echte Empfehlung. Exemplarisch näher beleuchtet werden sollen an dieser Stelle drei Alben: „El Corazon“ von Don Cherry und Ed Blackwell, „Triplictae“ von Dave Holend Trio sowie das erste „New Directions“ Album von Jack DeJohnette.

Don Cherry & Ed Blackwell – El Corazón

Duos aus Trompete und Drums sind nicht gerade gewöhnlich. Und das hat vermutlich seine Gründe. Was aber Don Cherry und Ed Blackwell auf „El Corazon“ fabrizieren, ist nichts anderes als spektakulär. Die Melodien stammen aus Spanien, Afrika und Jamaika. Die Magie kommt von innen. Mit offenem Visier und offenem Geist musizieren sich die beiden durch verschiedene Stimmungen und Atmosphären. Die Stücke leben von ihrer Spontanität und von den Leerstellen, die sie lassen. Und gerade wenn man denkt, Blackwell hätte die Show gestohlen, beendet Don Cherry das Album mit „Voice Of Silence“ – einem der intimsten Momente seiner gesamten Karriere.

Dave Holland Trio – Triplicate

Bassist Dave Holland ist nicht schon immer der sensible Sound-Veredler gewesen, der er heute ist. Auf früheren Aufnahmen ist er vor allem der Einpeitscher, der Tempomacher. Gut hören kann man das unter anderem auf „Triplicate“, das er 1988 zusammen mit Drummer Jack DeJohnette und Saxofonist Steve Coleman eingespielt hat. Ein exzellentes Gespann, das vor allem in Stücken wie dem melodiösen „Four Winds“, dem ausladenden „Triple Dance“ oder dem fantastischen Monk-Cover „Take The Coltrane“ seine Klasse beweist.

Jack DeJohnette – New Directions

„This band (to use a cliché) was less than the sum of its parts“, hieß es seinerzeit in der Allmusic-Review. Nicht die einzige Kritiker-Schelte, die das neuformierte Quartett einstecken musste. Aus heutiger Sicht ist das kaum nachvollziehbar. Denn „New Directions“ mag in Teilen noch verhalten ausfallen. Das Album strotzt aber nur so vor erinnerungswürdigen Momenten. Da wäre zum Beispiel das dämonische Trompeten-Solo von Lester Bowie in „Bayou Fever“. Oder der kollektive Wirbelsturm in der Mitte von „One Handel Woman“. Oder das rührende Piano-Spiel von DeJohnette im melancholischen „Silver Hollow“. Eine wegweisende Platte und – wie der Rest – ein Highlight im Katalog des Labels.

Alle drei Alben sind am 17.05.2019 in der ECM Touchstones-Reihe erschienen (Beitragsbild: Jack DeJohnette, New Directions, Albumcover).

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