Robin tom Rink: The Small Hours – Album Review

Robin tom Rink: The Small Hours – Album Review

Poetischer Songwriter-Folk für die Wintermonate

von Gérard Otremba

Paris ist für den in Münster geborenen und in Köln lebenden Songwriter Robin tom Rink eine wichtige Stadt, nahm er doch dort sein 2009 veröffentlichtes Debütalbum The Dilettante auf. Seine Pariser Lieblingsbar Le Carillon gehörte zu den terroristischen Anschlagszielen des 13. November 2015. Mit der verzweifelten Pianoballade „Le Feu Follet“ schenkt Rink ihr eine tief unter die Haut gehende Huldigung. Es ist eins von fünfzehn in Moll getränkten Liedern, die den Songwriter-Folk mit sanften Jazz-Untertönen einen neuen Geist einhauchen. Von Erdmöbel-Bassist Ekki Maas, der auch Gitarren, Percussion und Posaune auf dem Album spielt (während sich sein Bandkollege Christian Wübben am Schlagzeug zu hören ist), zurückhaltend produziert, entwickelt The Small Hours eine zwischen Schwermut und Hoffnungsschimmer pendelnde Atmosphäre. Doch aller Melancholie zum Trotz, schlagen die Songs nicht in sinistere Stimmungen um und bewahren sich eine erhabene und leise Schönheit.

Es sind sehr ruhige Stücke auf The Small Hours und einige davon berühren zutiefst. Die vom Piano getragene Traurigkeit in „Ocean Wanderer“ beispielsweise. Oder das direkt anschließende, ganz und gar betörende, zarte „Curtains“, das in Leonard Cohen-Manier verzaubert. The Small Hours ist eine Platte wie gemacht für die dunklen Wintermonate, in denen man die Wohnung nicht verlassen und es sich lieber eingemummelt vor der Anlage gemütlich machen möchte. Es sind wirklich liebevoll arrangierte Songs, die in all ihrer Ruhe trotzdem zu überraschen wissen. Wenn zum Beispiel Jazztrompeter Peter Protschka „Appointment Of Different Kind“ und „Into The Haze“ veredelt, oder das E-Gitarrenspiel in „Hotel Floors“ im bedächtigen Neil Young-Style für unergründliche Spannungsfelder sorgt. Es gibt zwar zwei, drei kleinere Fingerübungen auf The Small Hours, die wie Lückenfüller erscheinen, aber die abschließenden „Spring Came At Last“ und „Field Or Forrest“ vereinnahmen den aufmerksamen Hörer wieder und schenken große Geborgenheit. Ästhetischer Folk-Minimalismus mit vielen schönen Momenten.

„The Small Hours“ von Robin tom Rink ist am 13.01.2017 bei Make My Day Records / Indigo erschienen.

Der Song „Into The Haze“ ist im Stream hier zu hören.

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