Leonard Cohen: Old Ideas

Leonard Cohen: Old Ideas

Der alte Mann und die Musik

von Gérard Otremba

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Wer Leonard Cohen bei einem seiner Auftritte auf der ausgedehnten Tour 2008/09 erlebte, sah einen altersmilden, in sich gekehrten und mit sich im Reinen befindlichen Musiker, der eine wahrhaft buddhistische Magie auf das Publikum ausstrahlte. Man war zu Dank verpflichtet: Diejenigen, die ihn noch einmal live sehen konnten und diejenigen, die den kanadischen Troubadour das erste Mal auf der Bühne sahen. Es entwickelte sich eine gegenseitige Ehrerbietung und Leonard Cohen machte es einem auch nicht gerade schwer. Eine perfekt aufeinander abgestimmte Begleitband inszenierte auf dezente Weise seine großen Songs wie „Suzanne“, „So Long, Marianne“, „Bird On The Wire“ oder „The Partisan“. Nie hatte man das Gefühl, einem bereits Mitte-70-Jährigen zu bewundern, so sehr nahm einen sowohl Cohens tiefe Stimme, als auch die unbeschwerte Leichtigkeit des Vortrags in Beschlag.

Der Kosmos von Leonard Cohen kreist um die Themen Heimkehr, Vergebung und Erlösung

Nun ist Leonard Cohen tatsächlich schon 1934 geboren und auf seinem neuen Album „Old Ideas“ geht das Alter natürlich nicht spurlos an ihm vorbei. Aber ähnlich wie bei seinen Konzerten hat man auch beim Hören der Platte das Gefühl, der Musiker Leonard Cohen altert in Würde. Seine sonore Stimme ist mittlerweile so unfaßbar tief, grabestief. Den Eröffnungssong „Going Home“ spricht Leonard Cohen zu den Hörern und mit den Themen „Heimkehr“ und „Vergebung“ sind wir schon mittendrin in seinem Kosmos. Und mit weiteren Texten zur „Heilung“ und „Erlösung“ präsentiert Cohen in der Tat alte Ideen in neuem Gewand. Und das macht Leonard Cohen richtig gut.

Mit „Amen“ und „Darkness“ gelingen Leonard Cohen zwei außergewöhnliche Songs

Die zehn neuen Songs sind weitestgehend unaufgeregt, aber umso wirkungsvoller arrangiert. Die Violine spielt dabei eine wichtige Rolle, wie zum Beispiel bei „Amen“, einem dieser zutiefst beeindruckenden Songs, die ein Leonard Cohen noch immer in der Lage ist zu komponieren, undendlich traurig, jedoch voller Anmut. Und mit 7:39 Minuten, keine Sekunde zu lang. Ähnlich wie „Amen“, sollte auch „Darkness“ bei den Cohen-Freunden eine exponierte Stelle im Kanon seines Schaffens einnehmen. Mit seiner Tour-Band zaubert er einen dunklen Slow-Motion-Blues, der dylaneske Züge trägt, ein Gott der Finsternis verirrt sich unter den Lebenden. Zwei wirklich herausragende Songs. Und die anderen acht müssen sich nicht wirklich verstecken.

Mit „Old Ideas“ feiert Leonard Cohen ein großartiges und charmantes Comeback

Ob nun das zarte „Lullaby“, das auf Gesang und Gitarre reduzierte „Crazy To Love You“, das Piano betonte „Show Me The Place“ oder das abschließende „Different Sides“: In allen Liedern steckt unglaublich viel Charme. Neben Cohens Frau Sharon Robinson, den von der Tour bekannten Webb-Schwestern Hattie und Charley, ist auch Jennifer Warnes, die vor Jahren Cohens „First We Take Manhattan“ zum Hit machte, als Frauen-Gesangspart zu hören. Und diese Frauenstimmen sind auf herzallerliebste Weise in die Arrangements eingebettet. Mit „Old Ideas“ feiert Leonard Cohen ein großartiges Plattencomeback, das hoffentlich in eine baldige Zugabe erfährt.

„Old Ideas“ von Leonard Cohen erscheint am 27.1.2012 bei Sony Music.

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