Lana Del Rey: Born To Die

Lana Del Rey: Born To Die

Die Verzauberung der Lana Del Rey

von Gérard Otremba

 

Lana Del Rey verzückte mit ihrem Song und dem dazugehörigen Video „Video Games“ alle. Besonders angetan sind natürlich die Männer, denn wer kommt bei diesem Schmollmund Marke Angelina Jolie und dem unterkühlt lasziven Gesang nicht ins Träumen? Und der Rest von Lana Del Rey läßt sich auch sehen. Sie verkörpert die Femme Fatal mit ausgeprägtem Lolita-Charme auf perfekte Art und Weise.

Lana Del Rey verzaubert mit dem wunderbaren Popsong „Video Games“

Und ja, „Video Games“ ist ein wunderbarer Popsong, auf den sich sehr viele Musikfreunde einigen können. Das verschleppte Tempo, orchestral bedächtig, aber melancholisch und dramatisch unterlegt und dazu Lana Del Reys Stimme, die zwischen cooler Arroganz und einschmeichelnder Sanftmut schwankt. Der ganze Song perlt wie guter Champagner, ein wahrer Genuß. Aber mit einem Song füllt man noch kein Album und die spannende Frage bei so einem Megahit einer Newcomerin ist schlicht und einfach: Hält die Single-Versprechung auch auf Albenlänge? Die Antwort: Ein eindeutiges Jein.

Weitere hörenswerte Songs aus „Born To Die“

Der Charme von „Video Games“ überstrahlt die restlichen Songs nun doch deutlich. Jedoch kristallisieren sich im Schlepptau von „Video Games“ noch einige andere sehr hörenswerte Songs der 25-jährigen amerikanischen Sängerin. Der Titel- und Album-Eröffnungssong „Born To Die“ ist so einer. Hier stimmt die Chemie zwischen Orchester-Opulenz und stimmlicher Eleganz. Auch in „Blue Jeans“ überzeugt Lana Del Rey durch ihre einerseits verruchten, andererseits säuselnden Vocalparts. Sehr schön auch „Million Dollar Man“, eine traurige, piano-orchestrale Ballade, leicht ins Jazzige tendierend. Anrührend, bewegend und weniger traurig als der Titel es evoziert, erstrahlt „Summertime Sadness“. Ebenfalls anfreunden kann man sich noch mit dem lässigen und knuffigen Groove von „Diet Mountain Dew“ sowie der Euphorie von „Dark Paradise“, das trotz vieler 80er-Reminiszenzen wie Drum-Computer und zu viel Synthiesound einen gewissen Reiz nicht verbergen kann.

Die Schwächen des Albums und die Zukunftshoffnung

Bei den Songs „Radio“ und „Carmen“ jedoch funktioniert dieser Eighties-Sound nicht mehr. Diese Lieder erinnern mehr an schlechtere Solostücke von Debbie Harry. Der Sound scheppert einfach zu sehr und die HipHop-Anleihen gereichen Lana Del Rey im Vergleich zum elegischen „Video Games“ gar nicht so gut. Die Problematik des Drum-Computer-Sounds wiederholt sich bei „This Is What Make Us Girls“ und der HipHop von „National Anthem“ ist mehr als gewöhnungsbedürftig. Und bei „Off The Races“ gerät alles total durcheinander und Lana Del Reys Stimme erreicht kicksiges Kleinmädchengehabe. Das hat sie gar nicht nötig. Fazit: Die Hälfte des Albums „Born To Die“ hält die „Video Games“-Erwartungen durchaus, die andere Hälfte fällt ab. Lana Del Rey braucht die große Bühne. In Zukunft bitte nur noch mit Orchesterbegleitung und dann wird aus ihr vielleicht noch eine nächste Dusty Springfield.

„Born To Die“ von Lana Del Rey ist am 27.1.2012 bei Universal erschienen.

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