Katzenjammer: A Kiss Before You Go

Katzenjammer: A Kiss Before You Go

Gute Unterhaltung mit Katzenjammer

von Gérard Otremba

Schon mit ihrem Debüt-Album „Le Pop“ bereicherten Anne Marit Bergheim, Marianne Sveen, Solveig Heilo und Turid Jörgenson, alias Katzenjammer, die Popwelt mit einer wilden Mischung zwischen Chanson, Folk, Rock und Polka. Und jede von ihnen spielt irgendwie auch alle Instrumente. Ein Wahnsinn. Und der geht mit „A Kiss Before You Go“ in die zweite Runde.

Katzenjammer und die Fröhlichkeit von „I Will Dance (When I Walk Away)

Sie bedienen sich so vieler Stilrichtungen, die vier Damen von Katzenjammer, passen aber erfreulicherweise in kaum eine Schublade. Letztendlich huldigen sie der schönen Indie-Popmusik, wie in der beschwingten Single „I Will Dance (When I Walk Away)“. Eine wunderbar flotte Uptempo-Nummer, catchy, fluffig, fröhlich, sofort ins Ohr gehend und wer sich hierauf nicht bewegen kann, bleibt ein ewiger Muffel. Angereichert wird der Song durch die typischen Katzenjammer-Ingredienzien, also neben Gitarre, Bass und Schlagzeug, die im Popbereich eher selten benutzten Instrumente wie Akkordeon, Zither, Mandoline, Glockenspiel, Harmonica sowie einem Celeste, also einem Stahlplattenklavier. Eine spaßige Rasselbande mit viel Laune und Drive.

Die Traurigkeit und Melancholie von „Lady Marlene“

Daß Anne Marit, Marianne, Solveig und Turid auch die Nachdenklichkeit und Melancholie beherrschen, beweisen sie bei „Lady Marlene“, dem vielleicht schönsten, zumindest atmosphärisch dichtesten Song des Albums. Neben eines bedächtigen Honky-Tonk-Piano tragen ein Mellotron, das bezaubernde Glockenspiel sowie die einfühlsamen Backgroundchöre das Lied in himmlische Gebiete. Ein zutiefst traurig klingendes Stück, leicht gespenstisch anmutend, hätte auch Kate Bush komponieren können, oder Sarah McLachlan. Ganz famos, die sakrale Wirkung, anmutig, graziös, naturalistisch, tausend Tränen tiefe Romantik.

Katzenjammer zwischen Tom Waits, Björk, Folklore und Polka-Punk

Versucht haben sich die vier Damen auch an dem Genesis-Megahit „Land Of Confusion“. Und herausgekommen ist eine Version, die mit den Percussion- und Marimba-Einsätzen sehr an Tom Waits erinnert, mit einem fetten Refrain, aber ohne den üblichen Genesis-Pomp. Bei „Cocktails And Ruby Slippers“ kommen sie wiederum mit ausgelassenem Mädels-Punk-Pop daher, manchmal etwas hysterisch und die Pipettes evozierend. Ganz im Folkloristischen und Keltischen ist „Rock-Paper Scissors“ anzusiedeln. Hier wird mit Violinen, Trompeten und Ukulelen zum Tanz gebeten. Der „Soviet Trompeter“ schleicht sich zunächst ganz langsam an, bevor das Tom Waits meets Björk-Drama ausbricht. In „Loathsome M“ sprengen Katzenjammer alle Fesseln und geben sich einem lustigen und polternden Post-Punk-Pop à la Blondie hin. Durchgedrehten Polka-Punk gibt es dann noch bei „Gypsy Lee“ zuhören, während „Shepherd’s Song“ dem Charme des Country-Pop erliegt, aber natürlich immer aufgekratzt, wie bei Katzenjammer so üblich. Und „Cherry Pie“ schafft die musikalische Verbindung zwischen Western-Piano-Bar und dem Varieté der 20er Jahre.

40 unterhaltsame Minuten mit „A Kiss Before You Go“

Eingerahmt werden diese Lieder einerseits durch den Titeltrack „A Kiss Before You Go“, einer nur knapp über eine Minute währenden höchstbedrohlich wirkenden Ouvertüre und anderseits von „God’s Great Dust Storm“, ein großes episches Klagelied, getragen von durchdringenden Vocals und sich mächtig aufbauenden Percussion. Hätte sicherlich gut zur Beerdigung von Amy Winehouse gepaßt. Insgesamt bieten Katzenjammer auf „A Kiss Before You Go“ 40 höchst unterhaltsame und abwechslungsreiche Minuten.

„A Kiss Before You Go“ von Katzenjammer erscheint am 9.9.2011 bei Vertigo/Universal.

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